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- Was kann man tun, damit es nicht so leicht zu einem Rückfall kommt?
- Die wichtigsten psychologischen Gesundheitsförderer sind:
- a) Selbstachtung
- Die Fähigkeit, herzliche Beziehungen zu anderen einzugehen.
- Sich für sein Leben verantwortlich fühlen.
- Langfristig abstinent bleibt meist nur der, der seinen Lebensstil in diesem Sinne ausgewogen gestaltet und
der sich dann auch nicht auf den Lorbeeren ausruht, sondern selbstverantwortlich sein Leben weitergestaltet.
- Nun das hört sich gut an, aber was soll man dabei beachten?
- Erstens tut in der Anfangszeit der Nüchternheit ein „Sicherheitsabstand“ zum Trinken gut. Biergärten,
Weinfeste, Vatertagsausflüge, bestimmte Stammtische oder Frühschoppen sollten besser gemieden werden. Als einzig Nüchterner fühlt man sich in diesem Kreis zunehmend Betrunkenwerdender ohnehin nicht wohl. Wie beim Autofahren
hat der Sicherheitsabstand nichts mit zitternder Ängstlichkeit und Unfähigkeit zu tun, sondern mit aus Erfahrung geborener Selbstverantwortlichkeit.
- Zweitens benötigt man positive Ziele, für die es sich lohnt, abstinent zu bleiben. Abstinenz selbst ist
nämlich kein Ziel an sich, denn Abstinenz ist etwas, was man nicht tut: Nicht Trinken. Positive Ziele sind solche, die von sich aus dazu beitragen, dass die Abstinenz immer selbstverständlicher wird, z. B. aktive
Freizeitgestaltung, Selbstständigkeit und Genussfähigkeit. Wichtig ist dabei vor allem, dass die Annäherung an seine Ziele für den Betreffenden persönlich befriedigend ist. Ziele wie den „Führerschein machen“, „Arbeit
bekommen“ oder „einen Partner finden“ sind nur kurzfristig wirksam, nämlich so lange, bis das Ziel erreicht ist oder man aufgibt. Überlegen Sie einmal selbst, was dem Leben Ziel, Sinn und Ausrichtung verleiht,
ohne sich dabei kurzfristig zu verschleißen.
- Insgesamt sollte man bei seiner Lebensgestaltung darauf achten, dass ein gesundes Verhältnis zwischen dem,
was man soll, und dem, was man will, erreicht wird, Wer zu viel als „Muss“, „Soll“ oder alles gar nur als Pflicht erlebt, glaubt nämlich leicht, dass er sich dafür einen Ausgleich schuldig ist, dass er „sich
auch mal etwas gönnen sollte“. Und das ist dann nur zu oft der Alkohol.
- Drittens ist eine realistische Selbsteinschätzung notwendig. Sie ist schon deshalb wichtig, weil man sonst
seine Ziele zu hoch oder zu niedrig setzt und dann aufgibt. Für eine realistische Selbsteinschätzung ist die Rückmeldung aus einer (Selbsthilfe)-Gruppe von großem Wert. Zentral für das Selbstbild jedes Abhängigen ist das
Anerkennen der eigenen Unfähigkeit, unproblematisch mit Suchtmitteln umgehen zu können. Nur auf dieser Grundlage kann sich die Weißheit entwickeln, zwischen dem zu entscheiden, was man ändern kann, und dem, was man
hinnehmen muss (MUT u. DEMUT).
- Zur Selbsteinschätzung gehört dann auch die Fähigkeit, „Warnsignale auf dem abschüssigen Weg zur Flasche oder
Pille“ rechtzeitig zu erkennen.
- Viertens muss man etwas tun für sich und seine Ziele. Denn wenn man sich selbst, seine Fähigkeiten und seine
Sicherheit gegenüber dem Suchtmittel richtig einschätzt und seine Ziele kennt, muss man dafür aktiv werden und bewusst das heute gestalten. Stehen Sie aktiv und selbstbewusst zu sich selbst als Alkoholiker. Bringen Sie zum
Beispiel Ihre Abstinenzentscheidung und Ablehnung vom Alkohol deutlich zum Ausdruck.
- Aktivität meint aber auch, dass man sich selbst weiterentwickelt, indem man positiv denkt und handelt, zu
seinen eigenen Gefühlen steht und sie direkt äußert, seine eigenen Rechte und die der anderen achtet, Vermeidungsverhalten unterbindet, auf andere Menschen zugeht, regelmäßig etwas für sein körperliches und seelisches
Wohlbefinden tut, die Selbsthilfegruppe besucht sowie Ehrlichkeit und Klarheit zur Richtschnur seines Handelns und Denkens macht. Jede Abweichung davon sollte als Warnsignal betrachtet werden, das Anlass zur
Selbstüberprüfung ist.
- Kurz gesagt es geht um „den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann“, und die Ausbildung der
Fähigkeiten dafür. Besonders wichtig ist die Kenntnis und Ausführung von Umkehr oder Abzweigmöglichkeiten, wenn man die oben genannten „Warnsignale“ auf seinem Lebensweg wahrnimmt.
- Fünftens muss man die Gelassenheit haben anzuerkennen, was man nicht ändern kann und daraus gegebenenfalls
die Konsequenzen ziehen: Wenn die Umwelt anders ist, als ich sie haben möchte, ich sie aber trotz meiner Versuche nicht ändern kann und ich sie andererseits auch nicht aufgeben will, dann muss ich sie hinnehmen. Wenn
ich mir mein Leben vermiesen will, kann ich mich auch ständig darüber beklagen, aber ich kann es auch zunehmend gelassen hinnehmen, wenn ich will.
- Sechstens sollten Sie die Zeit der Therapie zum Rückfallaufbau im Sandkasten, nämlich zum trockenen
Durchdenken von ganz persönlichen Rückfallsmöglichkeiten nutzen: Unter welchen Umständen habe ich in meinem Leben schon einmal einen Vorsatz (z. B. Treue) abgeändert? Was könnte meinen festen Vorsatz zur Abstinenz
erschüttern? Zu welcher Art Unausgewogenheit des Lebensstils neige ich? Schone oder überfordere ich mich eher zu viel? Welche meiner positiven oder negativen Eigenschaften könnten mich in welche Zwickmühle bringen? In
welchen Momenten wird in mir der Wunsch wach, ich sollte mir etwas gutes gönnen, woran merke ich das und wie gehe ich damit um, was mache ich? Diese und ähnliche Fragen helfen Ihnen bei der Lebensplanung ebenso, wie
die Analyse von Gefahrenquellen einer Sicherheitsfachkraft hilft, diesen gefahren vorzubeugen, statt sie erst bei ihrem Auftreten bekämpfen zu müssen.
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