Die Neue Basis e.V

Landesverband Niedersachsen

Eingetragener Verein zur Selbsthilfe , Aufklärung und Beratung von suchtgefährdeten Menschen und Mitbetroffenen

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Das Jellinek - Schema

Phasen und Stufen


A.  Voralkoholische Phase

Gelegentliches  Erleichterungstrinken Erhöhung der Alkoholtoleranz Häufiges  Erleichterungstrinken.

Der erste Beginn des Konsums alkoholischer Getränke ist bei dem potentiellen  Alkoholiker meist sozial motiviert, wie bei jedem anderen auch. Im Gegensatz zum  durchschnittlichen Gesellschaftstrinker empfindet der spätere Alkoholiker bald  eine befriedigende Erleichterung beim Trinken. Dabei schreibt er seine  Erleichterung eher der Situation als dem Trinken zu, z.B. der lustigen  Gesellschaft, dem Fest, dem Kegeln oder Skatspielen usw.; daher sucht er  Gelegenheiten, in denen beiläufig getrunken wird.
Nach einer bestimmten Zeit des Trinkens wird eine Erhöhung der Alkoholtoleranz  festgestellt, d.h. der Trinker braucht eine größere Menge Alkohol als früher zur  Erreichung des gewünschten euphorischen Stadiums. Diese Trinkmethode dauert je  nach Umständen Monate und Jahre, - sie geht vom Stadium des gelegentlichen zum  häufigeren Erleichterungstrinken über. Im gleichen Maße fällt die Toleranz des  Trinkers für seelische Belastungen in solch einem Umfang ab, dass er praktisch  täglich Zuflucht zur alkoholischen Erleichterung nimmt. Sein Trinken erscheint  jedoch weder seinen Angehörigen, Freunden noch ihm selbst verdächtig.

B.  Anfangsphase

1. Gedächtnislücken

Plötzliches Auftreten von  Erinnerungslücken - medizinisch Amnesien genannt. Sie können ohne Anzeichen von  Trunkenheit auftreten. Der Trinker kann eine vernünftige Unterhaltung führen  oder schwierige Arbeit leisten, ohne am nächsten Tag eine Erinnerung daran zu  haben, wenn auch noch einzelne Erinnerungsfetzen bestehen. Der Alkohol hört  praktisch auf, ein Getränk zu sein, sondern er wird als "Medizin" benötigt, die  der Trinker braucht.

2. Heimliches Trinken

Aus dem Unterbewussten entwickelt sich bei dem Trinker die vage Vorstellung,  dass er anders als andere Leute trinkt. Um nun nicht aufzufallen oder falsch  beurteilt zu werden, sucht er bei Geselligkeiten Gelegenheiten zum Trinken von  ein paar Gläsern ohne das Wissen der anderen; er trinkt "heimlich".

3. Dauerndes Denken an Alkohol

Ohne sich dessen recht bewusst zu werden, denkt der Trinker oft und über das  normale Maß hinaus an Alkohol, ein Beweis für seinen erhöhten Bedarf.

4. Gieriges Trinken

Wegen seiner vermehrten Alkoholabhängigkeit tritt jetzt das "gierige  Trinken", nämlich das hastige Herunterkippen der ersten Gläser, auf.

5. Schuldgefühle wegen der Trinkart

Da der Trinker sich allmählich bewusst wird, dass sein Trinken ungewöhnlich  ist, entwickeln sich bei ihm "Schuldgefühle" wegen seiner Trinkart.

6. Vermeiden von Anspielungen auf Alkohol

Aus dem vorgenannten Schuldgefühl heraus beginnt der Trinker, bei  Unterhaltungen "Anspielungen auf Alkohol" zu vermeiden.

7. Häufigkeit der Gedächtnislücken

Die Häufigkeit von Gedächtnislücken, in Verbindung mit dem Verhalten 2.-6.,  wirft den Schatten der Alkoholsucht voraus und sollte dem Trinker als dringende  Warnung dienen.


C.  Kritische Phase

8. Unwiderstehliches Verlangen  nach mehr
Alkohol nach dem ersten Glas
(Kontrollverlust)

Es ist das Stadium erreicht, in dem bei dem Trinker ein unwiderstehliches  Verlangen nach mehr Alkohol entsteht, sobald eine kleine Menge Alkohol in seinen  Körper gelangt ist. Dieses Verlangen wird als zwingender Bedarf empfunden und  hält gewöhnlich an, bis der Trinker zu betrunken oder zu krank für eine weitere  Alkoholaufnahme ist. Dieser alkoholische Exzess, medizinisch Alkoholabusus  genannt, braucht nicht durch irgendein persönliches oder psychisch bedingtes  Bedürfnis eingeleitet zu werden, sondern kann aus einer "harmlosen"  gesellschaftlichen Gelegenheit entstehen. Der "Kontrollverlust" bedeutet nicht,  dass der Trinker immer trinken muss, er setzt vielmehr erst während des Trinkens  und durch das Trinken ein.

Der Trinker hat in der konkreten Situation noch immer die Entscheidungsfreiheit  darüber, ob er trinken will oder nicht. Das wird allein durch die freiwilligen  abstinenten Perioden bewiesen, die oft nach derartigen Exzessen eingehalten  werden.

In diesem Zusammenhang wird oft die Frage erhoben, warum der Trinker nach seinen  verhängnisvollen Erfahrungen anlässlich seiner wiederholten Exzesse denn dann  immer wieder anfängt zu trinken. Er ist in diesem Stadium bereits  alkoholabhängig geworden, wenn es ihm auch nicht bewusst ist. Sein Wille in  Verbindung mit Alkohol ist mindestens beeinträchtigt, er selbst jedoch glaubt,  dass er seine diesbezügliche Willenskraft nur vorübergehend verloren hat und sie  daher wiedererlangen kann und muss. Er ist sich jedoch darüber nicht im klaren,  dass in ihm ein Vorgang (Abhängigkeitserkrankung) abgelaufen ist, der es ihm  unmöglich macht, seinen Alkoholkonsum über längere Zeiträume hinweg  einzuschränken oder zu kontrollieren.

9. Erklärungen, warum man so trinke
(Alkoholausreden, Alibis)

Mit dem Einsetzen des Kontrollverlustes beginnt der Alkoholiker sein  Trinkverhalten zu erklären und schafft sich durch "Alkoholausreden" Alibis, d.h.  Erklärungen, die ihn selbst davon überzeugen sollen, dass er die Kontrolle nicht  verloren hat. Er redet sich selbst ein, dass er "guten" Grund zum Sichbetrinken  habe und er ohne "diesen" Grund genauso mäßig oder überhaupt nicht wie die  anderen trinken könne. Hier setzt der große unbewusste Selbstbetrug des  Alkoholikers ein und damit verbunden der Betrug an seiner Umwelt.

10. Soziale Belastungen

Dieser Selbstbetrug ist nun beim Alkoholiker der Anfang eines ganzen  "Erklärsystems", das sich immer mehr auf jede Ebene seines Lebens ausbreitet.  Dieses "System" dient nun auch als Widerstand gegen die "sozialen Belastungen",  die zusammen mit dem "Kontrollverlust" entstehen. Seine Trinkart fällt  unterdessen auch der Umwelt auf. Angehörige, Freunde, Kollegen und Arbeitgeber  beginnen, den Alkoholiker zu tadeln oder zu warnen.

11. Übergroße Selbstsicherheit

Auf das Verhalten der Umwelt reagiert der Alkoholiker mit "übergroßer  Selbstsicherheit" nach außen, obwohl bei ihm selbst ein deutlicher Verlust an  Selbstachtung einsetzt. Er versucht, diesen Verlust durch Extravaganz und  Großspurigkeit zu kompensieren, um sich selber davon zu überzeugen, dass er noch  nicht so schlecht dran ist, wie er manchmal gedacht habe.

12. Auffällig aggressives Benehmen
(die anderen sind schuld)

Durch sein "Erklärsystem" isoliert sich der Alkoholiker in zunehmendem Maß  von seiner Umwelt, die in seinen Augen an allem schuld ist. Auf dieses  angebliche "Schuldsein" der Umwelt reagiert er dann mit auffällig aggressivem  Benehmen.

13. Innere Zerknirschung, dauerndes Schuldgefühl
(Anlass zum erneuten Trinken)

Das auffällige Verhalten des Alkoholikers gegenüber seiner Umwelt  reflektiert auf ihn selbst und ruft nun auch in ihm Schuldgefühle hervor, die  zur inneren Zerknirschung führen. Diese Zerknirschung sucht er erneut mit  Alkohol zu überspielen, und so setzt der circulus vitiosus (Teufelskreis) ein.

14. Perioden völliger Abstinenz

Bisweilen gelingt es dem Alkoholiker, diesen "circulus vitiosus" zu  durchbrechen, indem er Perioden völliger Abstinenz durchläuft. Dabei folgt er  dann auch dem zunehmenden sozialen Druck.

15. Änderung des Trinksystems

Die abstinenten Perioden führen jedoch wieder zum Rückfall, da er seinem  Grundübel, dem "Selbstbetrug", nicht begegnet und daher dem ständigen inneren  Druck nicht standhält. Aus diesem "Selbstbetrug" heraus ändert der Alkoholiker  jetzt sogar sein Trinksystem, indem er sich selber "Regeln" aufstellt, so z.B.  nicht vor einer bestimmten Tageszeit zu trinken oder nur an bestimmten Orten,  oder nur diese und jene Art und Menge Alkohol zu trinken, usw.

16. Fallenlassen von Freunden
(Feindseiligkeit gegen die Umwelt)

Die Umwelt erkennt natürlich die Änderung der Verhaltensweise des  Alkoholikers, entlarvt ihn ob seiner "scheinbaren" Abstinenz und durchschaut die  Änderung seines "Trinksystems". Darauf reagiert der Alkoholiker mit  Feindseligkeit und lässt seine Freunde fallen.

17. Verlassen oder Wechseln des Arbeitsplatzes

Das Verlassen oder Wechseln des Arbeitsplatzes ist nur eine Konsequenz aus  seinem feindseligen Verhalten gegenüber der Umwelt. Freunde und Bekannte lassen  den Alkoholiker fallen, oft verliert er auch den Arbeitsplatz. In vielen Fällen  übernimmt er auch in dieser Richtung selber die Initiative als vorausschauende  Verteidigung und zum Sich- Entziehen unliebsamer Tadel und Mahnungen.

18. Konzentrierung des Benehmens auf Alkohol

Da sich der Alkoholiker immer mehr verlassen sieht, konzentriert er sich im  verstärkten Maß auf den Alkohol als "Medizin und Seelentröster".

19. Verlust an äußeren Interessen

Der Alkoholiker denkt darüber nach, wie eine bestimmte Arbeit sein Trinken  stören könnte (statt umgekehrt) und lehnt alle Interessen ab, die ihn daran  hindern können.

20. Neuauslegung mitmenschlicher Beziehungen

Im Alkoholiker verstärkt sich zunehmend das Gefühl, dass die Umwelt an  seinem Fehlverhalten schuld sei. Dieses Gefühl ruft in ihm eine immer stärker  werdende Anspruchshaltung hervor, aus der heraus er nur noch den Wert oder  Unwert seiner mitmenschlichen Beziehungen bemisst.

21. Auffallendes Selbstmitleid

Diese Auslegung seiner mitmenschlichen Beziehungen ist mit einem  auffallenden Selbstmitleid verbunden. Er kann doch nichts dafür, die anderen  wollen ihm doch immer etwas!

22. Gedankliche oder tatsächliche Flucht

Sein "Erklärsystem", seine "Isolation" und sein "Selbstmitleid" haben jetzt  derartige Formen angenommen, dass der Alkoholiker versucht, sich den daraus  entstandenen Problemen durch gedankliche Flucht (sich selber etwas vorgaukeln  und gedanklich in eine bessere Atmosphäre versetzen) oder tatsächliche  (geographische) Flucht zu entziehen.

23. Änderungen im Familienleben

Unter dem Eindruck dieser Vorfälle tritt eine Änderung im Familienleben ein.  Nicht nur der Alkoholiker hat sich zunehmend isoliert, sondern auch seine  Familienangehörigen ziehen sich zunehmend von ihm zurück. Auch entwickeln sie  eine ausgiebige Betriebsamkeit, um dadurch der häuslichen Umgebung zu entkommen.

24. Grundloser Unwillen

Der Alkoholiker selbst lebt jetzt in einem anhaltenden Spannungszustand, der  oft bei ihm grundlosen Unwillen auslöst.

25. Sichern des Alkoholvorrats

Das vorherrschende Interesse an Alkohol veranlasst den Alkoholiker, sich  seinen "Alkoholvorrat" immer zu sichern, wobei er auch dazu übergeht, ihn zu  verstecken.

26. Vernachlässigung angemessener Ernährung

Sowohl das "Sichern des Alkoholvorrats" als auch die ersten Auswirkungen auf  den Organismus durch das ständige Trinken (Appetitlosigkeit) bringen den  Alkoholiker dazu, seine Ernährung zu vernachlässigen bzw. sich völlig einseitig  zu ernähren (Kotelett, Frikadellen, Würstchen, Brühen usw. - Vitaminmangel).

27. Erste Krankenhauseinweisung wegen alkoholischen Beschwerden

Die ersten organischen Schäden werden akut (Gastritis, Leberschäden,  neurotische Störungen), stationäre Behandlung wird erforderlich.

28. Abnahme des Sexualtriebes

Während sich zu Beginn der Trinkerzeit eine erhöhte Potenz bemerkbar machte  und an die Ehefrau oft unzumutbare Forderungen gestellt wurden, zeigt sich jetzt  eine zunehmende Impotenz des Alkoholikers.

29. Alkoholische Eifersucht

Auf Grund der eigenen zunehmenden Impotenz steigert sich beim Alkoholiker  die Feindschaft gegen seine Ehefrau. Er unterstellt ihr außerehelichen  Geschlechtsverkehr und verfällt dadurch in die "alkoholische Eifersucht".  Reaktionen seiner Ehefrau auf sein Fehlverhalten werden von ihm grundsätzlich  missverstanden, ein anderer Mann wird dahinter vermutet.

30. Regelmäßiges morgendliches Trinken

In diesem Stadium haben Gewissensbisse, Unwillen, Kampf zwischen  Alkoholverlangen und Pflichten, Verlust der Selbstachtung und Selbstmitleid,  Zweifel und Selbsttäuschung den Alkoholiker so zerrüttet, dass er den Tag nicht  beginnen kann, ohne sich nach dem Aufstehen oder noch vorher mit Alkohol zu  beruhigen. Ja, er kann schon seine Arbeit ohne Alkohol nicht mehr ausführen.  Durch den bisherigen Prozess des Alkoholismus ist die moralische und körperliche  Widerstandskraft des Alkoholikers schon völlig untergraben.


D.  Chronische Phase


31. Einsetzen des verlängerten  Rausches

Die zunehmend beherrschende Rolle  des Alkohols und das durch das morgendliche Trinken entstandene "Verlangen"  brechen schließlich den Widerstand des Alkoholikers. Er ist jetzt auch am hellen  Tag und bisweilen öfters in der Woche betrunken. Oft verharrt er mehrere Tage  hintereinander in diesem Zustand, so dass er dem "verlängerten Rausch"  unterliegt, bis er völlig unfähig ist (geistig und körperlich), noch etwas zu  unternehmen.

32. Bemerkenswerter ethischer Abbau

Die mit diesen anhaltenden Exzessen verbundene Gleichgültigkeit gegenüber  der Umwelt haben bei dem Alkoholiker einen erheblichen ethischen Abbau zur  Folge.

33. Beeinträchtigung des Denkens

Auch das Denkvermögen weist erhebliche Ausfallerscheinungen auf Sachliche  Überlegungen vermag der Alkoholiker nicht mehr anzustellen, seine Gedanken  verfolgen nur noch "krumme Wege".

34. Alkoholische Psychosen

Bei vielen Alkoholikern treten in diesem Stadium die ersten "alkoholischen  Psychosen" auf, das sind durch Alkohol bedingte Geistesstörungen,  Halluzinationen, psychosomatische und psychoasthenische Reaktionen.

35. Trinken mit Personen unter Niveau

Der Verlust der Moral und oft auch der Verlust der eigenen sozialen Stellung  bewirken häufig, dass der Alkoholiker nach dem Motto: "Unter den Blinden ist der  Einäugige König" mit Personen weit unter seinem Niveau trinkt, oder allgemeiner:  mit Personen, mit denen er sonst im Leben kaum Kontakt suchen würde.

36. Zuflucht zu technischen Produkten

Wenn der Alkoholiker nichts anderes hat oder seine finanziellen Mittel nicht  mehr ausreichen, nimmt er zur Befriedigung seiner Gier Zuflucht zu technischen  Produkten, wie Kölnisch Wasser oder Haarwasser, Franzbranntwein oder  minderwertigem Wermut.

37. Verlust der Alkoholtoleranz

Geistige und körperliche Widerstandskraft sind abgebaut, der Alkoholiker  benötigt keine große Menge mehr, um in den Vollrausch zu kommen. Jedoch der  Vollrausch wird in seiner Wirkung immer kürzer. Das Trinken wird daher immer  hektischer, der circulus vitiosus rotiert immer schneller.

38. Undefinierbare Ängste und Zittern werden Dauererscheinungen

Anhaltendes Zittern (Tremor),

39. ständige Niedergedrücktheit

(Depression), Angstzustände (traumatische Neurosen) sind in diesem Stadium  Symptome beim Alkoholiker, die auftreten, sobald in seinem Organismus kein  Alkohol mehr vorhanden ist. Die ersten prädeliranten Zustände treten auf. Diese  Zustände versucht der Alkoholiker dann wiederum mit Hilfe von Alkohol unter  Kontrolle zu bekommen bzw. sie damit zu überbrücken

40. Organische Nervenschädigungen
(Polyneuropathie)

Infolge der chronischen Alkoholintoxikation (Vergiftung) treten länger  dauernde Schädigungen des peripheren Nervensystems auf, die also auch noch nach  dem Entzug Störungen verursachen: Kribbeln und Taubheitsgefühle (sensibles  Nervensystem), Greif- und Gangstörungen (motorisches Nervensystem) - vorwiegend  in Händen, Armen, Füßen, Beinen.

41. Trinken wird Besessenheit

Aus der Notwendigkeit heraus, Ängste, Zittern, Hemmungen usw. zu überwinden,  sieht der Alkoholiker sich gezwungen, ständig zu trinken. Damit nimmt sein  Trinken den Charakter der Besessenheit (Obsession) an.

42. Unbestimmte religiöse Wünsche

Da der Alkoholiker für sein Fehlverhalten, das er allmählich als solches  erkannt hat, immer weniger eine Erklärung findet, gibt er sich dubiosen  "religiösen" Vorstellungen hin, die sich bis zum "religiösen Wahn" steigern  können.

43. Das Erklärsystem versagt

Aber auch die vorerwähnten "religiösen Vorstellungen und Wünsche" vermögen  dem Alkoholiker keine Antwort auf seine ständige Frage nach dem "Warum" zu  geben. Die Erklärungen, die er sich aus seinem eigenen "Erklärsystem" gibt,  werden so häufig und unbarmherzig der Wirklichkeit gegenübergestellt, dass sie  vollständig versagen. Er weiß sich keine Antwort mehr und gesteht seine  Niederlage ein.

44. Zusammenbrüche

Als Folge dieser Niederlagen ergeben sich für den Alkoholiker seelische  Zusammenbrüche, oft verbunden mit der "alkoholischen Epilepsie". Diese  Zusammenbrüche sind oft so schwerer Natur, dass die ärztliche Behandlung  unbedingt notwendig ist. Selbstmordversuche sind in diesem Stadium nicht selten.

45. Alkoholdelirium

Beim Alkoholiker tritt - meist im Entzug - ein hochgradiger  Verwirrtheitszustand auf, mit Wahnideen und schwerer motorischer Unruhe (evtl.  mit Fieber verbunden; der Ausgang kann tödlich sein). Wird in dieser Stufe  (Endstufe) das Stadium der Korsakow'schen Erkrankung erreicht, ist die  Zerstörung der Gehirnzellen irreparabel.

Korsakow-Syndrom: psychischer Folgezustand nach schweren toxischen, infektiösen,  traumatischen oder arteriosklerotischen Hirnschädigungen.

Symptomkomplex, der gekennzeichnet ist durch hochgradige Störungen der  Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Auffassung und Reproduktion sowie  Gedächtnisausfälle, die durch Erinnerungsfälschungen (Konfabulationen) ersetzt  werden; daneben zeitliche und örtliche Desorientierung, euphorische, später  stumpfe und gleichgültige Stimmungslage, Initiativlosigkeit und rasche  Ermüdbarkeit.

Der Alkoholische Korsakow (Korsakow-Psychose) beginnt meist mit einem Delirium  tremens und ist oft verbunden mit der alkoholischen Polyneuropathie.

 



Die Krankheit kann sich über viele Jahre hinweg ziehen. 15 bis 20 Jahre sind  keine Seltenheit. Hört der Alkoholkranke mit dem Trinken auf, beginnt ein  langwieriger Prozess, der auch durch Rückfälle unterbrochen werden kann. Die  Genesung geschieht nicht von heute auf morgen. Der Betroffene muss erst nach und  nach wieder das normale Leben lernen. Am geeignetsten hierfür ist die Therapie.  Auch eine Selbsthilfegruppe ist ein gutes Trainingsfeld. Mit sehr viel Geduld  erlangt der Betroffene nach einiger Zeit die zufriedene Abstinenz. Aber nach wie  vor kann die geringste Menge Alkohol den Abstieg in die Suchtkrankheit bedeuten,  egal wie lange man trocken ist.

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