Die Neue Basis e.V

Landesverband Niedersachsen

Eingetragener Verein zur Selbsthilfe , Aufklärung und Beratung von suchtgefährdeten Menschen und Mitbetroffenen

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Referat für Abend der Begegnung 5.8. 09 von Carla

 

Habe ich die Gefühle-oder haben die Gefühle mich?

 

Heute  möchte ich über ein Thema schreiben, das uns unser ganzes Leben lang beschäftigt, uns aber längst nicht immer bewusst ist.

Es geht um unsere Gefühle und wie wir damit umgehen.

Die erste Frage ist- wie entstehen Gefühle?

Gefühle entstehen durch unsere Gedanken, d.h. Erst kommt der Gedanke und dann das entsprechende Gefühl. Ein Beispiel : Ich bin mit mir wichtigen Leuten in einem vornehmen Restaurant. Ich rutsche beim Fleisch schneiden ab und schieße mein Fleisch über den Tisch. Mein Gedanke-Oh wie peinlich, wo ist das nächste Mauseloch. Alle denken sicher jetzt, mit der kann man nirgendwo hingehen, die kann sich nicht benehmen. Ich werde rot, fühle mich unsicher und als Versager.

Wenn es mir gelingt, die Angelegenheit als das zu nehmen, was sie ist- nämlich ein Missgeschick, das jedem passieren kann, dann fühle ich mich auch nicht als Versager, weil ich nicht denke, dass ich ein Versager bin.

Ein anderes Beispiel:

 Es ist Wochenende und ich bin allein zu Hause. Ich denke, ich bin allein, weil mich niemand mag, andere Menschen sich nicht für mich interessieren. Ich fühle mich einsam, verlassen und bin traurig.

Oder ich denke: wie schön, dass ich endlich mal ein ganzes Wochenende für mich habe und ich tun und lassen kann, was ich will. Ich genieße mein Alleinsein und fühle mich in der Situation wohl und zufrieden.

 

Diese Beispiele zeigen deutlich,  wir fühlen, wie wir denken.

Wir allein sind für unsere Gefühle verantwortlich, nicht andere Menschen oder die Umstände/ Situation. Das bedeutet, Du hörst auf zu sagen, „das macht mir Angst, macht mich traurig, ..Du machst mich wütend.

Verantwortung für sich und seine Gefühle zu übernehmen bedeutet, zu erkennen und zu akzeptieren,daß Du es bist, der sich  seine guten oder schlechten Gefühle macht. Es bedeutet,daß Du sagst, ich versetze mich in Angst, ich mache mich traurig, ich mache mich wütend, ich hemme mich.

Schon vor 2000 Jahren lehrten die Stoiker, nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinung über die Dinge.

Es ist immer Deine ganz persönliche und subjektive Bewertung, die Du einer Sache beimisst, die darüber entscheidet, wie Du Dich fühlst.

Grundsätzlich kann man sagen:

positive Gedanken führen zu positiven Gefühlen, negative Gedanken führen zu negativen Gefühlen, neutrale Gedanken führen zu neutralen Gefühlen.

Jetzt werdet Ihr Euch fragen, wie verändere ich meine negativen Gedanken, wenn ich das negative Gefühl nicht will?

Es ist nicht so einfach, denn wir haben ja keinen Knopf, womit wir einfach ein Programm umschalten können. Und nicht zu vergessen, unsere Erfahrungen prägen unser Denken. Aber nicht alle Erfahrungen und die daraus resultierenden Bewertungen sind uns bewusst. viele Bewertungen sind ins Unterbewusstsein gerutscht und wir handeln und reagieren automatisch. Ein gutes Beispiel ist das Auto fahren. In den ersten Fahrstunden haben wir noch gedacht, das kriegen wir nie hin, so viele Dinge gleichzeitig zu tun, Kupplung treten, Gang einlegen, Verkehr beobachten usw. Jetzt, nach Jahren denkst Du doch nicht mehr-ich muss jetzt die Kupplung treten oder mehr Gas geben, Du tust es einfach, .

Wenn Du Dir angewöhnst, mehr auf Deine  Gedanken zu achten, wird es dir bald gelingen, auch Deine automatischen(unbewussten) Gedanken hervor zu holen und gegebenenfalls zu verändern.

 

Woran erkenne ich gesundes oder negatives Denken?

 Gesundes Denken hat 2 Erkennungsmerkmale

a) es beruht auf Tatsachen.

b) es hilft Dir, Dich so zu fühlen und so zu verhalten, wie Du es möchtest.

 

Was kannst Du gegen Deine negativen Gedanken tun?

 

Hinterfrage Deine Gedanken- entsprechen sie der Realität? Unsere Fantasie macht oft aus einer Mücke einen Elefanten.

Wenn Du Dich schlecht fühlst, finde zuerst heraus, was du gerade denkst. Entspricht der Gedanke der Realität? Hilft Dir der Gedanke, dich so zu fühlen, wie du es möchtest?

Wenn Du diese Fragen mit nein beantwortest, weigere dich, diesen Gedanken weiter zu denken. Sage innerlich „Stopp!“ Setze an seine Stelle einen realistischen Gedanken, der Dir hilft, Dich so zu fühlen, wie Du es möchtest.

Sei geduldig mit dir selbst. Es wird eine Zeit dauern, bis es Dir gelingt, einen negativen Gedanken durch einen positiven zu ersetzen. Auto fahren hast Du auch nicht an einem Tag gelernt.

 

Wie sich Körper und Seele beeinflussen

 

Deine Gefühle drücken sich auch immer in Deinem Körper aus.

Beispiel Wut: mir kommt die Galle hoch

oder Angst: ich bin starr vor Angst.

Du beeinflusst Deinen Körper durch Dein Denken. Beispiel. Schließe die Augen und stelle Dir vor, Du beißt in eine Zitrone. Was passiert? Dir läuft der Speichel im Mund

zusammen. Als Kinder haben wir nicht gewusst, warum das passiert, aber wir wussten, dass wir eine Blaskapelle außer Gefecht setzen konnten, wenn wir vor ihnen in eine Zitrone bissen. Wir mussten dann nur schnell laufen können.

Ihr kennt sicher den Spruch: „Lass dich nicht hängen“, wenn es jemanden schlecht geht. Wer sich mies fühlt, hat oft auch eine miese Körperhaltung. Kopf hoch, geradeaus sehen, aufrichten, dadurch tiefer atmen können, das kann in solchen Situationen helfen. Auch die sogenannten Katastrophenfantasien sind ein gutes Beispiel. Wir können uns in unserer Fantasie in völlige Panik versetzen, die sich dann auch in der Realität in körperlichen Reaktionen zeigt. -“Mir wird schlecht, wenn ich nur dran denke!“

Durch Deine Körperhaltung kannst Du Dein Denken und Fühlen beeinflussen.

Stell Dich gerade hin, hebe den Kopf und strecke die Brust raus,und dann denke: mir geht es fürchterlich schlecht. Funktioniert nicht, denn wenn ich mich  schlecht fühle, sacke ich zusammen und sehe auch so aus, wie ich mich fühle.

Wenn ich mich schlecht fühle, und es keinen ersichtlichen Grund dafür gibt, kann ich es ja erst mal mit einer Veränderung meiner Körperhaltung versuchen.  Das setzt aber voraus, dass ich meine Körperhaltung und meine Körpersprache wahrnehme.

Wenn wir öfter mal einen Blick im Vorbeigehen in einen Spiegel oder eine Schaufenster werfen, könnte es passieren, dass wir uns fragen, was ist das für ein Schlaffie, der da vorbeilatscht. Oder ich stelle mich vor den Spiegel  und lächele mein Spiegelbild an, wenn ich mich mies fühle. Ist manchmal nicht einfach, aber wirksam. So wie ein Lächeln andere Menschen freundlich stimmt, kann es auch mich aus dem Loch holen.

Wie Ihr seht, reagiert unser Gefühl auf unsere Gedanken und Vorstellungen.

Wir können auch in der Vorstellung üben, unsere Gefühle zu verändern.             

Vorstellungsübungen sind im Grunde nichts Neues für Euch. Ihr praktiziert diese Form der Übung    schon, seit Ihr denken könnt.

Immer dann, wenn ihr euch ein negativer Ereignis ins Gedächtnis ruft, und euch dabei depressiv, ängstlich oder ärgerlich macht, übt ihr im Geist und haltet die negativen Gefühle wach.

Unser Gehirn merkt nicht den Unterschied, ob wir uns nur etwas vorstellen oder ob wir es tatsächlich erleben. Erfahrung ist Erfahrung. Unser Gehirn kann auch keine Verneinungen entschlüsseln: versucht mal, euch einen blauen Eisbären nicht vorzustellen.

 

Unsere negativen Gedanken über uns selbst können uns den Spaß am Leben nehmen. Wenn ich mir selbst nicht das Recht zugestehe, Fehler zu machen, weil ich denke, ich muss in Allem perfekt sein, dann kann es passieren, dass ich durch einen von mir gemachten Fehler in ein tiefes Loch falle und meine ganze Person in Frage stelle. Ich setze meine Handlung mit meiner Person gleich- ich habe etwas schlecht gemacht, also bin ich schlecht.  Aber wenn in eurem Garten ein Apfelbaum steht, der viele schöne Äpfel hat, aber auch ein paar faule- sägt ihr dann gleich den Baum ab? Es ist doch normal, das unter den vielen guten auch ein paar schlechte sind. Versucht mal, euch als Apfelbaum zu sehen. Denkt darüber nach, was ihr schon an guten Früchten hervorgebracht habt, ihr werdet feststellen, dass die guten die schlechten bei weitem übertreffen. Und die Tatsache, dass es keine perfekten Menschen gibt, macht es auch leichter, die eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten zu akzeptieren. Ich bin kein Versager, weil mir ein Fehler unterläuft!

 

Oft treffen wir eine Entscheidung nach bestem Wissen und doch stellt sie sich dann als falsch heraus. Aber deshalb muss ich mir doch keine Schuldgefühle und Minderwertigkeitsgefühle machen. Beim nächsten Mal werde ich versuchen, die neuen Erkenntnisse zu berücksichtigen, aber eine Garantie, das ich alles richtig mache, habe ich nicht. Ich bin bereit, die Verantwortung für meine Fehler zu übernehmen und wenn ich durch meinen Fehler andere Menschen verletzt habe, kann ich ihnen sagen, das es mir Leid tut und sie um Verzeihung bitten, aber durch Schuldgefühle und mich total mies fühlen, kann ich es auch nicht rückgängig machen,- die Zeit läuft nur vorwärts.

Wenn Andere beleidigt, verärgert oder verletzt auf mein Verhalten reagieren, dann bedaure ich das. Ich bin jedoch nicht an den Reaktionen der Anderen schuld. Sie haben sich selbst über mein Verhalten aus der Fassung gebracht. Jeder Mensch bestimmt selbst, wie er sich fühlt. Ebenso wenig, wie andere meine Gedanken und Gefühle kontrollieren können, kann ich deren Gedanken und Gefühle kontrollieren. Auch wenn ich mich noch so sehr darum bemühe, es anderen immer recht zu machen, kann es passieren, dass diese ärgerlich werden. Ich kann ihnen dann erklären, warum ich mich so verhalten habe, aber ich weigere mich, mir Schuldgefühle zu machen. Wenn Andere mir Vorwürfe machen und mich für mein Verhalten verurteilen, dann ist das ihr gutes Recht. Es mag ja sein, dass sie mein Verhalten zu Recht kritisieren. In diesem Fall mache ich mir klar, dass ich ein fehlerhafter Mensch bin. Ich werde nicht den Fehler machen, mich für meine Unvollkommenheit zu bestrafen, indem ich mir Schuldgefühle mache. Ich werde ruhig meine Fehler akzeptieren und mich darum bemühen, sie in der Zukunft zu vermeiden. Das ist alles, was ich tun kann.

 

Angst ist auch ein Gefühl, das wir nicht wollen. Aber stellt euch mal ein Leben ohne Angst vor-glaubt ihr, es gäbe noch Menschen auf dieser Erde, wenn es die Angst nicht gäbe? Ich denke nicht.

Die Angst hat 2 Seiten. Sie kann uns retten, sie kann uns vernichten.

Ein Kleinkind weiß nicht, was heiß bedeutet, erst wenn es sich das erste Mal an der heißen Herdplatte die Finger verbrannt hat, wird die Angst vor dem Schmerz es hindern, noch mal hin zu langen.

Oder die Angst vor dem Absturz hindert uns daran, auf dem Rand eines Hochhausdaches zu balancieren- es sei denn wir sind Hochseilartisten und haben unseren Körper unter Kontrolle.

Die Angst aktiviert unseren Überlebenswillen und oft haben wir in Angstsituationen Dinge vollbracht- z.B. immense Körperkräfte entwickelt- die wir uns nie zugetraut hätten.

 

Doch es gibt auch Dimensionen der Angst, die uns unfähig machen zu handeln und daran hindern, unser Leben zu genießen.

Phobien sind solche Ängste. Wenn jemand eine Spinnenphobie hat und schon beim Anblick so eines Krabblers das Kreischen kriegt oder gar in Ohnmacht fällt, schränkt ihn das in seiner Beweglichkeit doch stark ein, denn Spinnen sind doch fast überall.

Ein anderes Beispiel: Menschen mit Angst vor großen Menschenmengen – glaubt ihr das diese Menschen ins Kino gehen oder auf ein Rockkonzert?

Noch gemeiner ist die Angst vor der Angst, die Panikattacken. Starke Ängste rufen ja auch starke körperliche Reaktionen hervor. Das Herz rast, kalter Schweiß bricht aus, die Fähigkeit zu denken und zu reagieren  geht gen Null- der Mensch hat das Gefühl, er überlebt die Angst nicht.

Das Verrückte an der Sache ist- die Menschen, die unter solchen Phobien leiden, wissen das ihre Ängste übersteigert sind und nicht der Situation angemessen. Aber sie sind nicht in der Lage, die Angst zu überwinden.

Doch es gibt eine wirksame Therapie- die Verhaltenstherapie.

Alle anderen Strategien, mit der Angst umzugehen, sind langfristig gesehen unwirksam.

1. Vermeide ich die angstauslösende Situation, schränke ich mich in meiner Beweglichkeit sehr ein.

eine kurzfristige Konfrontation mit der Situation bringt auch nichts- das kann ich aushalten.

Die Angst überwinden durch Essen,     trinken oder Psychopharmaka.

Sich mit Sorgen und Grübeln beschäftigen-kostet nur Schlaf und macht Falten.

Versuchen die Angst auszuhalten indem ich mich ablenke(z.B. Fernsehen)

Angst vermindern durch Verbündete.

Die Angst verbergen.

Verdrängen der Angst.

 

Was macht uns am Häufigsten Angst?

Angst vor Ablehnung.  Wenn dich ein anderer Mensch ablehnt sagt das nichts über dich aus, sondern nur über ihn.

Die Angst zu versagen

Die Angst vor der Angst

 

Die Angst vor Ablehnung und vor dem Versagen sind häufig Zeichen mangelnden Selbstwertes. Wenn ich mich selbst nicht mag und mich für minderwertig, für dumm oder unattraktiv halte, dann kann ich doch nicht sicher sein, dass mich jemand anders mag. Oft werde ich dann auch misstrauisch- was will der wirklich von mir- mich als Mensch kann der doch nicht meinen?

 

Es gibt  wirksame Möglichkeiten seinen Selbstwert zu erhöhen:

Hör auf, dir gegenüber Worte zu gebrauchen wie: minderwertig, wertlos ,Niete, Null, Versager, Dumm, Idiot, hässlich.

Trenne dein Verhalten von deiner Person

Lobe dich für die Dinge, die du gut machst.

Mach dir eine Liste von allen Dingen , wegen derer du dich bisher abgelehnt oder verurteilt  hast. Dann sieh sie durch, welche Fehler oder schlechten Angewohnheiten kannst du ausmerzen.

Schreib eine Liste mit mindestens 10 positiven Eigenschaften und Verhaltensweisen von dir auf. Leg diese Liste ans Bett oder klebe sie an den Spiegel, so das du sie jeden Tag siehst und dir durchlesen kannst. Und wenn dir neue positive Dinge auffallen- schreib sie dazu.

Schließe Frieden mit deinem Körper. Akzeptiere ihn, er gehört zu Dir .ER hat Fürsorge und Achtung verdient. Die Merkmale, die mir gefallen, werde ich mir immer wieder in Erinnerung rufen und dafür dankbar sein. Das, was mir nicht gefällt, bin ich bereit als zu mir gehörig zu akzeptieren.

Akzeptiere deine Vergangenheit als Teil deines Lebens. Sie ist aus und vorbei und du kannst Vergangenes nicht rückgängig machen. Das Einzige, was du im Moment hast,  ist dieser Augenblick. Wenn Dinge passieren, die dir nicht gefallen, akzeptiere sie indem du dich daran erinnerst, das du nicht über alles bestimmen kannst. Das Einzige, was du ändern kannst, sind deine momentanen Gefühle. Du bestimmst, wie du dich fühlst. Wenn du darüber hinaus noch andere Dinge in deinem Leben ändern kannst, dann tue es.

Andere Menschen bestimmen, wie sie sich fühlen. Du bist nicht dafür verantwortlich, wie sie denken, fühlen und handeln. Sie bestimmen, was sie tun und wie sie sich fühlen.

Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben und du bestimmst dein Leben. Denke daran-du  kannst vor Allen und Allem weglaufen, aber dich selbst musst du aushalten bis zu deinem letzten Atemzug. Ich denke, es ist doch netter, den Lebensweg mit einem Freund gemeinsam zu gehen und nicht ständig mit einem Feind zu kämpfen, den du doch nicht besiegen kannst.

 

 

 

 

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