Die Neue Basis e.V

Landesverband Niedersachsen

Eingetragener Verein zur Selbsthilfe , Aufklärung und Beratung von suchtgefährdeten Menschen und Mitbetroffenen

Definition, Abgrenzung und Klassifikation der Prokrastination

Faulheit oder Krankheit

Bevor wir uns mit der Frage befassen können, ob es sich bei der Prokrastination einfach nur um Faulheit oder um eine zu behandelnde bzw. behandelbare Krankheit handelt, müssen wir uns ein wenig mit der Definition der Faulheit in verschiedenen Disziplinen beschäftigen. 

Faulheit ist im ursprünglichen Sinne des Wortes ein sehr harter Begriff. Der Wortursprung von 
faul liegt im gotischen fuls und bedeutete "stinkend, modrig". Damit bezeichnete man also ursprünglich den Zustand von faulendem Obst und Gemüse oder ganz allgemein verrottender Pflanzen und verwesender Tiere. 

Erst später bezeichnet das Adjektiv faul auch den Zustand der Trägheit und des Beharrungsvermögens im Nichtstun. 

In der christlichen Lehre zählt die Faulheit (Acedia) zwar nicht, wie es häufig behauptet wird, zu den Todsünden, aber sie wird zu den Hauptlastern (Lastern) gezählt. Laster sind Charaktereigenschaften, die zwar in ihrem Wesen nach selbst keine Sünden sind, aber sehr wohl zu Sünden und Todsünden führen können. Man versteht darunter auch die Trägheit des Herzens oder des Geistes. 

Die Bezeichnung Trägheit führt einen nahezu automatisch zu dem physikalischen Definition von Trägheit. In der Physik versteht man unter Trägheit die Eigenschaft jeder Masse ihren Bewegungszustand so lange beizubehalten bis eine äußere Kraft einwirkt, die diesen Zustand ändert. Überträgt man dies nun auf den "Faulen", so heißt dies, dass er ohne eine besondere Zuführung von äußerer Energie nicht aus seinem Bewegungszustand oder besser Stillstand herauskommen kann. 

Es gilt zu erkennen, welche Kraft den Prokrastinator in seinem stabilen Gleichgewicht des Nichtstun hält, denn nur durch Anwendung der entsprechenden Gegenkraft kann man ihn aus seiner Blokade befreien. 
Die möglichen negativen Kräfte wurden bereits an anderen Stellen beschrieben: z.B. übermächtige Elternfigur (Vater oder Mutter), Vorbild, welches durch trotz perfektem Fleißes eine negative Persönlichkeit bildet, Vater, der sich nicht um Frau und Kinder kümmert, aber ansonsten "perfekt funktioniert" usw.

In der Medizin bevorzugt man heute den Begriff Störung statt Krankheit, da er wertneutral ist. So definiert sich die Krankheit als eine körperliche oder psychische Störung, die sich durch erkennbare Symptome zeigt. Symptome, die das Wohlbefinden und/oder die Leistungsfähigkeit einer Person (Lebewesen) beeinträchtigen. Nach Schmidt und Unsicker (2003) versteht man unter Krankheit, das Vorliegen von Symptomen und/oder Befunden, die als Abweichung von einem physiologischen Gleichgewicht oder einer Regelgröße (Norm) interpretiert werden können und die auf definierte Ursachen innerer oder äußerer Schädigungen zurückgeführt werden können.

"Nach Faulheit folgt Krankheit." sagt ein deutsches Sprichwort und viele Leute setzen Procrastination gleich mit Faulheit.  Aber mit Faulheit verbinden die wenigsten eine Krankheit. Viele lehnen es sogar ab das Aufschiebeverhalten als Krankheit zu sehen. Fragt man dann nach den Gründen wird folgendes einem am Aufschiebeverhalten leidenden unterstellt:

Der Zustand ist selbstverschuldet und

könnte jeder Zeit aus eigener Kraft beendet werden.

Das diese Punkte gerade in besonders schweren Fällen nur sehr bedingt zutreffen, wird nach der Lektüre unserer Rubriken Ursachen, Definition und Teufelskreis ersichtlicht.

Aber selbst wenn es stimmte, also wenn dieses Verhalten selbstverschuldet und aus eigener Kraft abwendbar wäre, dürfte man die Prokrastination dann nicht mehr als Krankheit bezeichnen? Gelten diese Kriterien nicht auch in vielen Fällen für allgemein gültig anerkannte Krankheiten. Man spricht von einer Magen-Darm-Verstimmung, wenn jemand sich der Völlerei oder einem Alkoholexzess hingegeben hat. Diesen Zustand kann man prolongieren durch fortwährendes Fehlverhalten oder schnell beenden durch eine strikte Diät. Oder ein Raucher, der sich schwere körperliche Schäden durch sein Laster zuführt: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magenerkrankungen, Durchblutungsstörungen usw.

Man kann folgern, dass es sich bei der Prokrastination in bestimmten, vor allem schweren, Fällen zweifelsfrei um eine Krankheit bzw. Störung handelt, denn die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden sind dann erhablich gestört.

Formale Definition der Procrastination

In Websters Wörterbuch findet man unter "procrastination": "The act or habit of procrastinating, or putting off to a future time" (Die Handlung oder die Gewohnheit des Aufschiebens, oder auf einen zukünftigen Zeitpunkt Vertagens.) 
Die Handlung oder Gewohnheit bedeutet, dass es sich um einen 
bewussten aktiven Akt des Verschiebens handelt. Damit sind die Fälle ausgeschlossen, wenn jemand durch äußere Umstände oder höhrere Gewalt an der Ausübung einer geplanten Tätigkeit gehindert wird, wie z.B. Verkehrsstau, starke Verspätungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln und so weiter. In obiger Definition fehlt jedoch, dass es sich dabei um ein unnötiges und meist irrationales Verschieben handelt. Wenn beispielsweise jemand, der nur noch wenig Zeit für seine Prüfungsvorbereitungen hat, plötzlich unbedingt seine Bücher und CDs sortieren muss oder den Kühlschrank gründlich auswaschen muss. Zusammenfassend könnte man also die Prokrastinnation so definieren: 
Ein häufiges oder gewohnheitsmäßiges Verhalten von Menschen aktiv, unnötig und irrational notwendige - prioritär bezeichnete - Tätigkeiten auf zukünftige Termine, die meist vage und unbestimmt sind (siehe auch Mañana-Prinzip), zu verschieben, statt sie konsequent und pünktlich zu erledigen
 Bei diesen Tätigkeiten oder Aufgaben kann es sich sowohl um Dinge handeln, die von außen von ihnen verlangt werden als auch solche, die ihnen selbst wichtig sind. Statt die anstehenden Aufgaben zu erledigen, widmet sich der Prokrastinator Ersatzhandlungen, die häufig weniger wichtig und manchmal auch unsinnig sind. 

Eine interessante Definition der Procrastination liefert Eric Hoover in seinem Artikel "Tomorrow, I love Ya!" (The Chronicle of Higher Education, Volume 52, Issue 16, Seite A30):
"Eine Aufgabe auszuwählen, während man gleichzeitig eine andere in Wartestellung bringt, bedeutet Prioritäten setzten. Dies ermöglicht den Menschen eins nach dem anderen die Punkte von der Aufgabenliste zu streichen. Procrastination ist es, wenn man diese Liste ständig umorganisiert, sodass wenig oder überhaupt nichts von ihr erledigt wird." (Choosing to do one task while temporarily putting another on hold is simply setting priorities, which allows people to cross things off their to-do lists one at a time. Procrastination is when one keeps reorganizing that list so that little or nothing on it gets done.)
 

Synonyme

Die Prokastination wird meist umgangssprachlich auch als Aufschieberitis oder Aufschieberei bezeichnet. Formaler und passender als Synonyme sind Aufschiebeverhalten, Hinausschieben, Verschieben und Verzögern. In der Wirtschaft wird, wenn es sich um Kredite handelt, das Aufschieben auch als Prolongation bezeichnet. Die deutsche Sprache ist gespickt mit Redewendungen, die dieses Verhalten beschreiben: "Etwas auf die lange Bank schieben", "vor sich herschieben", "auf Eis legen" Ein interessantes wenn auch mittlerweile seltener gebrauchtes und altertümlich wirkendes Synonym für den Begriff Aufschiebeverhalten ist Saumseligkeit. Das Wort "Saumseligkeit" oder auch "saumselig" kommt von "säumen" in der Bedeutung aus Trägheit oder Nachlässigkeit die Ausführung einer Sache hinauszögern oder sich sehr viel Zeit mit der Ausführung lassen.

Arten der Procrastination

Es gibt keine typische Procrastination. Letztendlich ist jeder Mensch dazu fähig und betreibt auch aktiv Aufschiebung von Tätigkeiten. 

Am besten nähert man sich einer Klassifizierung, indem man sich die beiden Extreme anschaut:

 

Ein Nichtstuer: Jemand der alles aufschiebt und letztendlich nichts tut. Schulen und Schulungen abbricht und Jobs verliert, weil er nichts tut.

 

Der Hyperaktive: Er ist immer beschäftigt, gönnt sich keine Pausen, keine Ruhe, aber er macht nicht das, was eigentlich von ihm verlangt wird, oder was noch entscheidender ist: Er macht nicht, dass was er selbst von sich verlangt. Eine solche Person kann recht erfolgreich im Leben erscheinen und es auch sein. Er könnte zum Beispiel Leiter einer großen Firma werden, eine erfolgreiche politische Karriere bestreiten, aber sein ganzes berufliches Schaffen ist letztendlich eine Ablenkung von seinem eigentlichen versteckten und verdrängten Ziel bzw. Zielen.

Mañana-Prinzip

Wörtlich übersetzt bedeutet das spanische Wort mañana zunächst nur "morgen", aber es steht auch gleichzeitig für eine Lebensart oder ein Prinzip. Es ist eine vage und unverbindliche Terminzusage oder besser gesagt eine Vertröstung auf den nächsten übernächsten und möglicherweise gar den Sankt Nimmerleinstag. 

Das "mañana" ist also die spanische Entsprechung der Aufschieberei.

Eventualitäts-Mañana-Taktik (Contingency mañana ploy)

Den Begriff Eventualitäts-Mañana-Taktik (EMT) prägte William J. Knaus in seinem 1997 erschienen Buch3. Hierbei wird die eigentlich zu erbringende Arbeit oder Leistung von einer anderen Handlung abhängig gemacht. 
Beispiele:

Klaus Zauderer hat erkannt, dass es sinnvoll wäre sich um einen neuen Job zu bemühen, aber statt sich zu bewerben, belegt er erst einmal einen Englischkurs bei der Volkshochschule, denn er ist der Meinung, dass seine Englischkenntnisse möglicherweise nicht gut genug sind. 

Swen Goethe möchte gerne einen Roman schreiben, aber statt einfach loszulegen, glaubt er, dass er dazu erst einmal ein Germanistikstudium absolvieren muss.

Im Prinzip ist es auch denkbar, dass eine Aktion von einer ganzen Kette von anderen Aktivitäten abhängig gemacht wird.

Vor A erst B, vor B erst C, vor C erst D erledigen usw. 

Beispiel: Peter Pan möchte gerne heiraten, aber er will seiner Angebetenen erst einen Antrag machen, wenn sich seine finanzielle Situation verbessert hat. Um diese entscheidend zu verbessern braucht er einen neuen Job. Also muss er warten, bis er einen neuen Job hat und genügend gespart hat. Um einen geeigneten neuen Job zu erhalten muss er aber, - so wie er es sieht, - unbedingt vorher sein Abitur nachmachen. Also: Zuerst Abitur, dann Jobsuche, dann sparen, dann heiraten! Allerdings ist es mehr als fraglich, dass das Objekt seiner Begierde solange warten wird.

Catch 22 Falle

Auch dieser Begriff geht auf William J. Knaus zurück3. Dieses Verhalten oder diese Aufschiebe-Strategie ist ähnlich wie die EMT, allerdings wird hier die Erledigung einer Aufgabe von einer oder mehreren a-priori unerfüllbaren Vorbedingungen abhängig gemacht. 

Wenn Klaus Zauderer aus dem oberen Beispiel glaubt, dass er generell sprachunbegabt ist und ihm ein Englischkurs nicht helfen kann, wird er sich nicht zu einem Kurs anmelden. Da dies jedoch seine Vorbedingung für Bewerbungen war, wird er sich nie freiwillig auf eine andere Stelle bewerben. 

Der Begriff "Catch 22" stammt von dem sehr erfolgreichen Roman "Catch 22" von Joseph Heller. Ursprünglich erschien dieser Roman in Deutsch mit dem Namen IKS-Haken. Bei diesem Buch handelt es sich um einen Antikriegsroman, in dem Heller die Absurdität von Krieg und militärischen Handels aufdeckt. Die Hauptfigur Captain John Yossarian, der im 2. Weltkrieg als Bombenschütze der US Air Force im Mittelmeer seinen Dienst tut, will endlich nach Hause. Eigentlich sollte er und andere automatisch nach der Sollerfüllung, d.h. einer bestimmten Anzahl von Einsätzen entlassen werden. Aber diese Anzahl wird kontinuierlich erhöht, und bleibt deshalb immer gleich unerreichbar für ihn. 
Eine andere Möglichkeit nach Hause zu kommen besteht darin, krank (geisteskrank) geschrieben zu werden: Nur wer geisteskrank ist, kann nach Hause geschickt werden. Wer aber behauptet geisteskrank zu sein und deshalb darauf drängt nach Hause geschickt zu werden, kann nach der militärischen Logik nicht geisteskrank sein. Schließlich kann jemand nicht geisteskrank sein, der sein Leben auf so intelligente Art zu retten versucht.

Ursprung

Eine besonders schöne Formulierung für die im Sprichwort bezeichneten Leute lieferte Peter Ustinov: "Die Menschen, die etwas von heute auf morgen verschieben, sind dieselben, die es bereits von gestern auf heute verschoben haben." Diesen Satz von Ustinov könnte man schon fast als eine informale Definition der Prokrastination auffassen. Der Begriff wurde aus dem Englischen entlehnt und wird dort natürlich mit einem "c" geschrieben, also Procrastination. Ursprünglich stammt das Wort aus dem Lateinischen. Das Verb procrastinare bedeutet etwas vertagen, verschieben (pro- vorwärts, cras - morgen). Aber bereits lange vor den Römern wurden die Menschen vom Aufschiebeverhalten geplagt. So sieht Tim A. Pychyl die Ursprünge in der Steinzeit. Dr. Timothy A. Pychyl, außerordentlicher Professor für Psychologie und Leiter der Prokrastinations Forschungsgruppe der Universität von Carlton (Procrastination Research Group) sagt, dass unsere Gesellschaft auf zukünfige Belohnungen einen Rabatt gewährt. "Es ist eine Reaktion auf aversive Dinge, die eine Bedeutung vermissen lassen und sie geht zurück auf unsere in Hühlen hausenden Vorfahren. Sie brauchten unmittelbare Belohnungen, weil sie wussten, dass sie jeden Augenblick sterben konnten." ("It's a reaction to aversive things that lack meaning and it dates back to our cave-dweller ancestors. They needed instant rewards because they knew they could die any moment.")

Joe Ferrari, Psychologie-Professor an der De Paul University von Chicago geht sogar so weit zu sagen, dass unsere Gesellschaft nicht nur die Prokrastination erlaubt, sondern sogar dazu ermutigt und dieses Verhalten belohnt. Als kleines Beispiel führt er die Schlummertaste an, die seit nunmehr 50 Jahre weltweit in Wecker integriert sind.   

Auch wenn die Ursprünge des Aufschiebeverhaltens in den Ursprüngen der Menschheitsgeschichte liegen, geht Ferrari davon aus, dass dass die Procrastinatin nicht vererbt ist: "Die Procrastination wird erlernt. Wir haben keine genetische Grundlage und es gibt keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, obwohl bei Männern das Phänomen häufiger mit Drogen und Alkohol verknüpft ist, während Frauen zu Angst und Schüchternheit neigen."

Im Deutschen hat die Psychologie für diesen Begriff leider noch keine passende Übersetzung gefunden. Man könnte es als den Akt des Verschiebens, Verschleppens und Auschiebens bezeichnen. Bevor wir zu einer formalen Definition des Begriffes kommen, wollen wir uns noch ein Zitat von Edward Young anschauen, welches einen wesentlichen Aspekt der Procrastination beleuchtet: "Procrastination is the thief of time." (Das Aufschieben ist der Dieb der Zeit.) Das ist ein Gefühl, was wohl von allen geteilt wird, die ernsthaft unter Aufschiebeverhalten leiden: Ständig unnötig Zeit verloren zu haben und dies, wie bei einem Diebstahl, unwiederbringlich. Aber auch die Umkehrung dieser Aussage durch Oscar Wilde hat einen wichtigen Wahrheitsgehalt, auf den wir hier jedoch nicht weiter eingehen wollen: "Pünktlichkeit ist der Dieb der Zeit"..


 

Verfügung stehenden Mitteln, die sowohl Begabung als auch äußere Ressourcen einschließen. 
Das Vi steht für "lohnend" in einer sehr weiten Bedeutung: Finanzielle Anreize in direkter Form, aber auch in indirekter Form, indem sich nach einer erfolgreichen Verrichtung der Arbeit weitere lukrative Aufträge bieten würden oder dass man sich damit eine bessere Beurteilung und mittelfristig eine Beförderung erhofft. 
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Geschichte


Wenn man die wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Procrastination und vor allem die populärwissenschaftlichen Beiträge über dieses Thema in den Zeitungen und Zeitschriften studiert, stellt sich sehr schnell die Frage, ob es sich bei der Prokrastination um ein Phänomen unserer Zeit und möglicherweise auch unseres Kulturkreises handelt. Der Gedanke liegt nahe, dass Menschen in einer Zeit, die von Atomuhren angegeben wird, und in der die Einhaltung von Terminen und Deadlines von ausgefeilten Computerprogrammen unbarmherzig überwacht werden, die Procrastination gewissermaßen als Ventil gefunden haben. Dies Procrastination wäre also aus dem Pünktlichkeitswahn unserer Gesellschaft geboren. 

Selbstverständlich gibt es in unserer hochtechnisierten Gesellschaft Zwänge, die es in einfachen vorindustriellen Gesellschaften nicht gab. Die Missachtung von Deadlines können zu hohem Wirtschaftlichen Schaden führen, wie man es der deutsche Staat erst kürzlich bei der verspäteten Einführung der LKW-Maut durch Toll Collect gesehen erfahren hatte. In einfachen vorindustriellen Gesellschaften waren die wirtschaftlichen Aktivitäten noch nicht so stark verzahnt, aber dennoch gab es auch schon in der Antike genügend Zwänge. Ein Feldherr musste sich darauf verlassen können, dass bestimmte Teile seiner Armee an bestimmten Orten zur vorgegebenen Zeit erschienen, dass Truppen zu geplanten Zeit ausgehoben und ausgebildet wurden. Farmer mussten sich darauf verlassen, dass Silos zur Ernte fertiggestellt waren, dass die entsprechenden Erntearbeiter eintrafen und so weiter. 

Dass schon die Römer darunter litten und es verachteten, kann man unter anderem an dem Cicero-Zitat "Tarditas et procratnatio odiosa est" (Langsamkeit und Aubschieben ist widerlich!)
 

Persönlichkeitsbilder von Prokrastinatoren

Der Spaß-Procrastinator

Wohl jeder kennt diesen Typus noch von der Schulzeit. Es gibt keine Klasse oder keine größere Gruppe, in der nicht einer als Spaßmacher oder Clown hervorsticht. Man begegnet ihm auch auf Parties oder Festes. Aber wenn man genau hinschaut erkennt man in vielen Fällen hinter der spaßigen Fassade den Procrastinator. Aus ihren schlimmen Erfahrungen mit der Auschieberei machen Sie unterhaltsame Geschichten für andere. Begebenheiten, in denen sie zu spät zu wichtigen Veranstaltungen gekommen sind, sie betonen wie spaßig oder auch wie peinlich es war, verspätet hereinzuplatzen, wie sie beinahe vergessen hätten zur eigenen Hochzeit oder ähnlichem zu erscheinen, und so weiter. Sie spielen eine Rolle, die ihnen ein gewisses Ansehen unter ihren Freunden sichert, und die Procrastination erscheint plötzlich nicht mehr als Charakterfehler oder Hemmnis sondern es wirkt, als sei es gewissermaßen Teil ihrer schauspielerischen Leistung.

Der soziale Procrastinator

Dieser Typus kümmert und sorgt sich um die Probleme anderer. Er sorgt und kümmert sich um diejenigen, die sich verrannt haben oder nicht mehr weiter kommen. Dadurch fühlen sie sich selbst großartig, und es ist die perfekte Ablenkung von ihrem eigenen zwanghaften Aufschiebeverhalten.

Der Prokrastinator als Universalgenie

Sie versuchen das Renaissance-Ideal des Universalgenies zu verkörpern. Wie Leonardo da Vinci (1452-1519), Maler, Bildhauer, Wissenschaftler und Erfinder will auch dieser Typ von Prokrastinator in vielen oft völlig unterschiedlichen Gebieten ein Könner sein. Ein gar Mensch, der ein Alledkönner sein will, was natürlich ein unmöglich zu verwirklichender Anspruch in der heutigen Zeit ist, in der Spezialisierungen dringend notwendig sind. Außerdem ist das allgemeine Wissen zu gewaltig geworden, als dass es einer alleine meistern könnte. So empfindet ein solcher Mensch oft sein ganzes Handeln als ständiges Aufschieben, weil er all seine Ideen natürlich nicht in der ihm gegebenen Zeit verwirklichen kann.

Der Karre-aus-dem-Dreck-Zieher

In kaum einer Firma oder Verwaltung fehlen sie. Sie scheinen Wunder leisten zu können. Schier in den letzten Tagen und Stunden eines Projektes, welches zu scheitern droht, reißen sie dieses wieder aus dem "Graben" durch einen immensen persönlichen Aufwand: Überstunden, Wochenendarbeit usw. Allerdings haben sie mit ihrer Prokrastination zu Beginn und in der Mittelphase des Projektes dieses erst in die missliche Lage gebracht! 
 

Prokrastination und Politik

Ein Aspekt der Prokrastination findet sich nur sehr selten in Fachbüchern oder Artikeln über das Aufschiebeverhalten. Das Aufschieben ist nicht nur ein Problem von Individuen, sondern auch Gruppen und Firmen; ja sogar ganze Gesellschaften sind davon befallen. So, wie Krieg die konsequente Verallgemeinerung von Mord und Totschlag auf staatliches Handeln darstellt, so gibt es auch für Menschen in Zusammenschlüssen jeglicher Art eine Form von kollektiver Prokrastination.

So kann es sein, dass dringend notwendige Gesetze nicht  oder zu späät verabschiedet werden, dass Firmen es verschlafen, sich neue Märkte zu erschließen oder ihre Produkte den Wünschen der Konsumenten   anzupassen, dass Sportvereine es zu lange aufgeschoben haben, sich um ihren oder neuen Nachwuchs zu kümmern. Man braucht nur eine Tageszeitung aufzuschlagen und kann diese Liste mühelos erweitern. 

Der wesentliche Unterschied zum individuellen Aufschiebeverhalten besteht jedoch in der Bewertung. Die Entscheidung, wann und ob eine Aktion eines Staates sinnvoll ist, unterliegt in der Regel der politischen Bewertung der einzelnen Parteien und Lobbyisten. Auch wenn Wirtschaftswissenschaftler und sogenannte Wirtschaftsweisen den Eindruck erwecken, dass es sich bei ihren Empfehlungen, oder sollten wir besser Prophezeiungen sagen, um exakte wissenschaftliche Fakten handelt. Ihre Berechnungen sind meistens korrekt, aber die Annahmen, auf die sie ihre Berechnungen aufbauen, fußen auf  ihrer politischen Herkunft und sind meist rein willkürlich und dogmatisch. Mathematisch ist es klar: Aus "falsch" folgt alles! Macht man falsche oder unvollständige Angaben, so kann man alles folgern, aber man darf natürlich nicht erwarten, dass die Folgerungen irgendeinen Bezug zur Realität haben.
 


 

Ursachen der Procrastination

Bevor man die Procrastination erfolgreich behandeln oder bekämpfen kann, muss man zunächst einmal Ursachenforschung betreiben. Leider gibt es keine generelle Ursache, die in jedem Fall zutrifft. Ebensowenig wurde bisher ein Gen ausfindig gemacht, welches für die Aufschieberei verantwortlich sein könnte.

Vordergründig werden von Menschen, verschiedene Gründe genannt, weshalb sie bestimmte Arbeiten oder Projekte aufschieben. Einige der am häufigsten angeführten Ursachen:
 

Idole und abschreckende Beispiele
Wie alle Menschen sind auch chronische Aufschieber geprägt von Vorbildern, die sowohl positiver als auch negativer Natur sein können. Meistens entstammen diese Idole oder Anti-Idole, also abschreckende Beispiele,  aus dem engsten Familienkreis, z.B. Vater oder Mutter, können sich aber auch im Freundes- und Bekanntenkreis finden. Ebenso können natürlich auch andere Menschen als abschreckende Beispiele dienen. Zum Beispiel ein Vater, der in seinem Job perfekt funktioniert, nichts unerledigt lässt, was seine Arbeit betrifft, der jedoch im Zwischenmenschlichen versagt, indem er seine Familie gravierend vernachlässigt. Ein Kind, was unter einem solchen "perfekten" Vater groß wird, kann in einem unbewussten Prozess den Schluss ziehen, dass es besser ist nicht so perfekt zu sein und verfällt deshalb dem anderen Extrem, also der Prokrastination. In Schule und Studium widmet er sich immer mehr seinen Freunden und Freundinnen als den fachlichen Anforderungen des Studiums. Negativ geprägt von seinem Vater schafft ein solcher Mensch die Ausbildung nur mit Mühe. Auch später im Beruf hat er große Probleme. Er weigert sich Überstunden zu machen und ist immer mit seiner Arbeit im Rückstand, aber im familiären Umfeld funktioniert er perfekt und  kümmert sich vorbildlich um seine Familie. Er verhält sich so, wie er es sich immer von seinem Vater gewünscht hätte.  

 

Perfektionismus
Perfektionismus kann man als das übersteigerte Bestreben nach Perfektion und Vervollkommnung definieren. Perfektion ist gewöhnlich unerreichbar, denn fast immer findet sich etwas, was hätte besser gemacht werden können. Das weiß natürlich auch der Perfektionist, so dass er Anforderungen in dem Bewusstsein, sie nicht zufriedenstellend, d.h. seinem Perfektionismus entsprechend, erledigen zu können verschleppt. Diese  Anforderungen können sowohl von außen, also z.B. vom Chef oder vom Vorgesetzter, als auch von innen, also von der Person selbst, kommen. Aus dem beinahe krankhaften Verlangen immer ihr Bestes geben zu wollen, versagen Perfektionisten leider allzu häufig, d.h. statt einer überdurchschnittlichen Leistung liefern sie mangelhafte Ergebnisse ab, die weit unter ihrer eigenen Leistungsfähigkeit liegen.

Niemand wird als Perfektionist geboren. Die Ursache liegt häufig in früher Kindheit. So können zum Beispiel übersteigerte Erwartungshaltungen von Eltern oder Großeltern in dem Gefühl resultieren, dass man nur geliebt wird, wenn man fehlerlos also perfekt ist. 

Im Extremfall kann es sich beim Perfektionismus um eine zwanghafte (anankastische) Störung der Persönlichkeit handeln. 

Von Berufs wegen sind Künstler, Spitzensportler, Top-Manager, Wissenschaftler und manche andere Personengruppen durch gesellschaftliche Erwartungen oder Druck der Konsumenten zu ständigen  perfekten Leistungen verdammt. "Hochkarätige CD-Musik setzt Musiker und Sänger nach Ansicht von Psychologen und Medizinern immer stärker unter Druck.", schreibt Gottlieb Seelen in der Zeitschrift Psychotherapie (
Hi-Fi-Technik setzt Musiker unter Druck, August 2000) und zitiert den Musikphysiologen Prof. Eckart Altenmüller: "Heute haben wir eine selbstmörderische CD-Kultur mit Hang zum irrealen Perfektionismus" .  Die neue "perfekte" Technik ist allerdings nur indirekt verantwortlich. Die Technik ermöglicht auch kleinste Feinheiten im Spiel der Künstler zu verfolgen und zu vergleichen. Der Druck zum Perfektionismus geht jedoch in erster Linie von den Kritikern und den Konsumenten der Musik aus.

Aber auch wenn es mit Blick auf obige Gruppen den Anschein hat, führt der Perfektionismus in den meisten Fällen nicht zu überdurchschnittlichen Leistungen, sondern die davon betroffenen Personen neigen zur Procrastination. Das daraus resultierende erhöhte Frustrationspotential führt leider nur allzu häufig zu psychosomatischen Störungen, wie z.B. Migräne, IBS (Irritable Bowel Syndrom, Reizdarm), GERD (Gastroesophageal Reflux Disease, Gastro-Ösophageale Refluxerkrankung), BurnOut.

"Denke daran, dass immer Angst hinter dem Perfektionismus lauert. Stelle dich deinen Ängsten und, indem du dir das Recht einräumst menschlich zu sein, kannst du dich, paradoxerweise, zu einer weitaus glücklicheren und produktiveren Person machen." (Remember that fear always lurks behind perfectionism. Confronting your fears and allowing yourself the right to be human can, paradoxically, make you a far happier and more productive person.) 
David D. Burns, M.D., Autor von  "In zehn Tagen das Selbstwertgefühl stärken", Nov. 2005
  

Hohe Ablenkungsbereitschaft
Eine hohe Bereitschaft zur Ablenkung entspringt in der Mehrzahl der Fälle einer großen wissenschaftlichen Neugierde und Aufgeschlossenheit gegenüber neuen interessanten Inhalten und Aufgaben. Solche Personen besitzen in der Regel auch ein sehr breit gefächertes Interessengebiet, sodass sich ihnen eine breite Palette an interessanten Tätigkeiten bietet. In den meisten Fällen erhöhen wohl einige der anderen genannten Ursachen die hohe Bereitschaft zur Ablenkung, wie z.B. Langeweile, fremde Anforderungen, die sich nicht mit den eigenen Interessen decken usw. 

geringe Wichtigkeit und Bedeutung
Daraus folgt, dass man nicht die nötige Motivation aufbringen kann

 

Akzeptanz fremder Anforderungen
Dieser Punkt ist mit dem vorherigen verwandt. Manche können sich nicht mit von außen gesetzten Zielen bzw. Anforderungen anfreunden, die nicht mit ihren eigenen Interessen und Zielen übereinstimmen. Solche Arbeiten werden dann aufgeschoben, weil sie innerlich abgelehnt werden.

 

Unklare Anforderungen
Wenn jemand nicht richtig versteht, was von ihm verlangt wird, weiß er nicht, wie er richtig anfangen bzw. mit einer Arbeit fortfahren kann. Unklare Anforderungen können natürlich auch mangelhaft formulierte Prioritäten sein.

 

Unfähigkeit
Es fehlt das nötige Wissen oder die Fertigkeiten, die für eine Aufgabe benötigt werden. Unter Umständen wäre es dennoch möglich, sich diese anzueignen, aber aus Angst wird die Arbeit verschoben. Sehr häufig ist es jedoch so, dass diese Menschen sehr wohl über die von ihnen verlangten Fertigkeiten verfügen, aber die Angst suggeriert ihnen eigenes Unverständnis.

 

Angst vor dem Neuen
Wie beim letzten Punkt: Es werden Anforderungen gestellt, die neue Fertigkeiten und neues Wissen verlangen. Dazu kommt häufig auch die Angst das Vertraute und Bewährte loszulassen.

 

Versagens- oder Entscheidungsängste
Dieser Punkt lässt sich nicht scharf vom vorherigen abgrenzen. Versagens- und Entscheidensängste können in einigen Fällen auch aus einem Hang zum Perfektionismus resultieren.

Auch wenn einer oder mehrere der obigen Punkte als Ursachen ausgemacht werden können, heißt das noch nicht automatisch, dass jemand nicht damit klarkommt. Manche haben große Schwierigkeiten langweilige und unwichtige Tätigkeiten zu erledigen, während andere dies problemlos auch über Monate und Jahre erdulden können.

Die Ursachen der Procrastination liegen sehr häufig bereits in früher Kindheit. Es handelt sich sehr häufig um Störungen, die sich in der Familie aufgebaut haben.

 

Schmerz-Vermeidung


Auch zwischen Schmerz und Procrastion besteht ein direkter Zusammenhang. Viele, die körperliche Arbeit z.B. Gartenarbeit nicht gewohnt sind, kennen folgenden Effekt: Durch den ungwohnten Druck auf der Hand und den Fingern bildet plötzlich eine Druckstelle, eine Blase entsteht, platzt und der Schmerz ist da. Plötzlich versucht man alles, dass es zu keinem weiteren Druck auf diese Stelle kommt. Macht man weiter wie bisher, verschlimmert sich der Zustand: der Druck vom Spaten oder Heckenschere führt zu weiteren Blasen und die erste Blase vergrößert sich, wobei tieferliegende Hautschichten in Mitleidenschaft gezogen werden. So ist es verständlich, dass manche die den Druck verursachende Arbeit für diesen Tag einstellen, wenn kein Pflaster und kein Handschuh mehr hilft.

Was kaum jemanden in diesem Augenblick bewusst ist: Dabei handelt es sich um einen Instinkt, der schon bei unseren Vorfahren das Überleben sicherte. Unser Hirn ist, wie man es im Computerjargon ausdrücken würde, fest verdrahtet, dass es Handlungen auf Schmerzvermeidung optimiert. Bereits als Kleinkind lernt man mittels dieses Mechanismus, dass man sich keiner brennenden Flamme, wie beispielsweise einer Kerze nähern darf. 

Auch wenn intellektuelle Arbeiten keine Blasen verursachen, so kann auch in diesem Fall dieser Schmerz-Vermeidungs-Mechanismus (SMV) greifen, und zu einem Ausschiebeverhalten führen.  Nehmen wir den Fall eines Büroangestellten, der eine ihm unangehme oder ihn überfordernde Arbeit zu verrichten hat. 
Zur Vermeidung dieser Arbeit, also zur Prävention von Schmerzen,  dehnt diese Person ihre Zigarettenpausen ständig aus oder verbringt mehr und mehr Zeit im Internet. In diesem Fall haben wir eine doppelte Ursache für die Procrastination: Schmerzvermeidung, auch wenn der Schmerz hier nur rein psychologisch ist, und eine vorgezogene Belohnung zur Erreichung von Wohlbefinden und Glücksgefühlen.

 

Stress am Arbeitsplatz


Auch Stress bei der Arbeit ist in vielen Fällen die Ursache für Prokrastination. 
Zu diesem Thema bieten wir auf unserer Seite einen sehr interessanten Artikel der NIOSH (National Institute for Occupational Safety and Health): 
Stress am Arbeitsplatz
Ebenso finden Sie auf unserer Seite eine Kopie des Originalartikels

 

Unfähigkeit Nein sagen zu können

Eine der vielen Ursachen der Procrastination liegt sicherlich auch darin, dass es manchen Menschen an der Fähigkeit "Nein" zu sagen mangelt, oder genauer gesagt der Kunst, freundlich aber dennoch konsequent Nein zu sagen. Also in einer Form, dass andere unmissverständlich wissen, dass man etwas nicht tun will und gleichzeitig sich nicht beleidigt, verletzt oder zurückgesetzt fühlen. Nein steht bei solchen Menschen als Acronym für "Nicht einfach im Normalfall". Sie akzeptieren Einladungen zu Essen oder Parties, die für sie ein Gräuel darstellen. Bedanken sich vielleicht noch überschwänglich. Selbst wenn der Chef oder die Chefin noch kurz vor Feierabend, wenn vielleicht ein wichtiger privater Termin bevorsteht, mit der Bitte "Könnten Sie das vielleicht noch für mich erledigen?" kommt, können sie nicht ablehnen. 

Die Fähigkeit nicht "nein" sagen zu können, geht meist einher mit dem Problem, unfähig zu sein, Wünsche adäquat zu äußern, Forderungen zu stellen und anderen zu widersprechen. In manchen Fällen kann es sogar sein, dass eine allgemeine Hemmung besteht, Gefühle, - egal ob positiv oder negativ, - offen zu zeigen. 

Die Angst vor dem "Nein" ist oberflächlich betrachtet die Angst vor möglichen negativen Konsequenzen, also Ablehnung, Ärger, Wut und Antipathie. Die Angst davor nicht mehr gemocht zu werden. Notorische Ja-Sager schlittern immer wieder und nahezu unweigerlich in Situationen, in denen sie die von ihnen gewünschten Ansinnen gar nicht oder nicht zufriedenstellend erfüllen können. Wenn sie Aufgaben akzeptieren und übernehmen, die sie innerlich ablehnen oder nicht in der Lage sind zu tun, bleibt ihnen - aus den obigen Gründen - nur der Weg, diese aufzuschieben. Wenn sie die an sie herangetragenen Aufgaben nicht erfüllen, obwohl sie nicht widersprochen haben. Ihre Aufschieberei ist dies in der Konsequenz schlimmer, als hätten sie gleich Nein gesagt. 

Die eigentlichen Ursachen für diesen Charakterzug liegen häufig in der Kindheit. Es kann zum Beispiel sein, dass Widerspruch in welcher Form auch immer zu empfindlichen als Ablehnung und mangelnde Liebe empfundenen Strafen seitens der Eltern oder eines Elternteiles führte, während williges Jasagen zu Belohnungen in Form von Liebe führte.
 

Biologische Ursachen

Bisher ging man davon aus, dass die Ursachen für alle Formen der Prokrastination pschologischer Natur sind und somit sich mittels Psychotherapie behandlen lassen. Der amerikanische Neurologe R. L. Strub1 stellt aber dies in Frage. Nach seinen Forschungen könnten auch Störungen bzw.  krankhafte Veränderungen des Frontallappens des Gehirns an diesem Verhalten Schuld sein.    In dieser Hirnhemisphäre laufen die cognitiven Prozesse, d.h. Entscheidungen, Beurteilungen, kritisches Denken etc. 

Im Prinzip könnte man jetzt sagen: Ist doch egal was die Ursachen sind; Hauptsache man kann mich von dem Leiden heilen. Aber gerade hier liegt die Crux. Würde es stimmen, dass die Ursachen biologischer Natur sind, so wie oben beschrieben, dann würde dies bedeuten, dass es keine Heilung für das Aufschiebeverhalten gäbe, da es bisher noch keinerlei Heilverfahren für obige biologische Fehlfunktionen gibt und die klassischen Psychotherapie-Verfahren könnten nicht greifen, da sie nicht von physischen Ursachen ausgehen.

 

Folgen und Konsequenzen der Procrastination

Ein Aspekt des Aufschiebeverhaltens, der in Büchern und Artikel über dieses Thema meistens zu kurz kommt, sind die Folgen. Ein Grund mag sicherlich darin liegen, dass es für Betroffene häufig nicht förderlich ist, sich über die Konsequenzen, Gedanken zu machen. Dies ist natürlich völlig konträr zur allgemeinen Meinung. Viele glauben, dass man dem Aufschieber nur etwas Druck machen muss, dass man ihm oder ihr nur die häufig drastischen Konsequenzen klar machen muss und schon läuft wieder alles "in geordneten Bahnen". Aber abhängig von den Ursachen der Prokrastination kann dies genau den gegenteiligen Effekt haben. Ähnlich wie bei  der Posttraumatischen Belastungsstörung2 (PTBS) kann eine falsche Auseinandersetzung mit den Symptomen, dann zu einer Verstärkung der Symptome oder im schlimmsten Fall zu einer ernsten Krise führen.

 

Konsequenzen der Aufschieberei

Die Konsequenzen des Aufschieberei können sowohl im persönlichen als auch im beruflichen bzw. schulischen Umfeld liegen.
 

verpasste Chancen:
Man verpasst z.B. den Anmeldetermin für eine wichtige Prüfung oder das Einreichen von Bewerbungsunterlagen. Man meldet sich zu spät auf eine Kleinanzeige für eine freie Wohnung, ein Verkaufsgesuch für ein Auto usw. 
Die Konsequenzen in obigen Fällen sind offensichtlich

 

Ansehensverlust:
Durch verpasste Deadlines, nicht eingelöste Versprechen usw. erleidet man einen unter Umständen irreparablen Vertrauensverlust bei seinen Mitmenschen.

 

Karriereknick

 

Finanzielle Nachteile
Zu späte Buchung eines Fluges, dadurch erhöhter Preis; hohe Mahngebühren für verpasste Zahlungstermine bei Finanzamt etc.
Im schlimmsten Fall drohen Zahlungsunfähigkeit, wenn die Prokrastination zu Jobverlust oder Auftragsrückgängen bei Selbständigen geführt hat.

Gesundheitliche Probleme:
Der notwendige Zahnarztbesuch wird unnötig lange verschleppt und in Folge davon, kann ein Zahn oder gar mehrere nicht mehr gerettet werden. Weitaus schlimmer ist sicherlich, wenn mögliche Symptome von schwerern Erkrankungen ignoriert und ein notwendiger Arztbesuch aufgeschoben wird.

 

Depressionen:
Im Anfang der Procrastination steht meist eine leichte Unzufriedenheit, die sich langsam steigert und im schlimmsten Fall in eine schwere Depression münden kann. Aber auch Realitätsverluste sind möglich, d.h. Betroffene filtern die Realität so, dass Zusammenhänge zwischen ihrem Verhalten und Reaktionen der Umwelt nicht mehr sichtbar sind.
Beide Konsequenzen sind wissenschaftlich bish
er nur sehr unzureichend untersucht worden.

 

Isolation:
persönliche Isolation nach Jobverlust, Verlust des Partners oder nach der Scheidung.

Lügengespinst

Wir haben diesen Ausdruck bewusst gewählt, denn wie ein Gespinst umgibt den Prokrastinator ein immer dichter werdendes Netzwerk aus Verschweigen, Ausreden, faulen Ausreden, Notlügen und in letzter Konsequenz auch Lug und Trug, um von seinem schädlichen Verhalten abzulenken. Ein Gespinst, dem er oder sie nur durch die Aufgabe des Aufschiebeverhaltens entkommen könnte.

Kinder, die ihren Eltern vortäuschen, ihre Hausaufgaben zu machen, ihre Vokabel zu lernen und dann die schlechten Noten mit einem schlechten Gewissen verschweigen und schließlich auf gezielte Fragen lügen. 
 

Behandlung der Procrastination


Die Richtigkeit des Gedankens ist die Hauptsache, daraus entwickelt sich das Richtige der Behandlung.
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)
 

Die Behandlung der Prokrastination gestaltet sich in vielen Fällen als sehr schwierig, ähnlich problematisch wie eine Depression. Professor Ferrari von der De Paul Universität in Chicago sagte in einem Interview mit der Psychology Today: "Telling someone who procrastinates to buy a weekly planner is like telling someone with chronic depression to just cheer up," (Jemandem der auschiebt zu sagen, dass er sich einen Wochenplaner kaufen soll, ist wie wie einem chronisch Depressiven zu sagen, er solle fröhlich sein). (Psychology Today, 23 August 2003) 

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht in irgendeiner Form von der Aufschieberei betroffen ist. Das Aufschieben scheint eine angeborene Eigenschaft zu sein. Jeder schiebt irgendwann Aufgaben vor sich her. In vielen harmlosen Fällen lässt sich das Problem des Aufschiebens durch Selbstanalyse und Bewusstwerdung der Zusammenhänge und darauf folgende konsequente Selbstdisziplin lösen. Leider gibt es aber auch viele extreme Fälle der Prokrastination: So z.B.wenn z.B. dieses Verhalten ernste Probleme im zwischenmenschlichen oder finanziellen Bereich entstehen, in denen ohne professionelle Hilfe eine Besserung sehr unwahrscheinlich, wenn nicht gar unmöglich ist. Psychologische Beratungsstellen helfen bei der weitergehenden Beratung. Wenn sich Ängste und Depressionen einstellen, übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten für eine Psychotherapie. 

Eine Lösung des Problems kann im Prinzip in drei Zuständen enden, was natürlich noch nichts über den Weg sagt:

Man schafft es, das zu tun, was man bisher aufgeschoben hatte, also z.B. Steuererklärung fertigstellen, Wohnung-, Keller- etc. aufräumen, Roman schreiben. 

Man hält weiter alles in der Schwebe und man akzeptiert sein Aufschiebeverhalten. Dann muss man jedoch lernen mit den negativen Folgen, z.B. Frust und Selbstverachtung, umzugehen oder sie in positive Bahnen zu kanalisieren. Zum Beispiel kann es ja sein, dass jemand nur den Traum braucht, einmal einen Roman zu schreiben, aber es im Innersten gar nicht richtig will. Eine solche Person erhält sich ihren Traum durch weiteres Aufschieben. Die Zerstörung eines solchen Traumes ist häufig nicht sinnvoll. 

Man ändert seine Vorhaben. Das heißt man trennt sich von unsinnigen Zielen. Im einfachen Fall kann dies heißen, dass man z.B. innerlich darauf verzichtet, den Boden der Garage zu fliesen. Im ernsteren Fall kann es heißen, dass man den Arbeitgeber oder gar das Arbeitsgebiet wechselt.


 

Heilung notwendig?

Wenn man an die verschiedenen negativen Aspekte denkt, die auf dieser Webseite geschildert sind, erscheint einem schon das bloße Stellen einer solchen Frage als Blasphemie. Wenn Leute durch ihre Aufschieberei sich selbst, ihren Familien und möglicherweise auch ihrer Firma schaden, muss es doch behandelt werden?

Ob eine Heilung notwendig oder sinnvoll ist , hängt eng mit der Frage zusammen, ob es so etwas wie eine positive Procrastination gibt, ob man also verschiedene Ausprägungen der  Prokrastination in "gut" oder "schlecht" klassifizieren kann.

Man kann auch die Frage stellen, ob es eine 
positive Procrastination gibt?
Zunächst muss man die Ersatzaktivität, die statt der geplanten oder erwarteten Tätigkeit durchgeführt wird, näher untersuchen. Zwei Aspekte sind dabei von besonderer Wichtigkeit: 
 

Intensität

 

Bedeutung

Das eine Extrem ist jemand der einfach nichts macht. Hierbei spielt es natürlich keine Rolle, ob dies mit hoher Intensität geschieht, also zum Beispiel sehr tief auf dem Sofa schläft. Der interessantere Fall oder das andere Extrem besteht darin, dass jemand mit hoher Intensität und Energie eine Tätitkeit ausführt, die noch dazu von weitaus höherer Bedeutung als die ursprünglich geplante ist. In letztere Rubrik fällt zum Beispiel auch der zerstreute Professor, der vergisst seinen Kaffee zu trinken, sich zu rasieren,  vielleicht sogar zur Vorlesung zu erscheinen, aber wegen seiner absoluten Konzentration auf sein eigentliches Problem, gelingt  ihm der Beweis eines bisher unbewiesenen Satzes, an dem sich andere nicht prokrastinierende Mathematiker über Jahre oder Jahrzehnte die Zähne ausgebissen hatten.  Hätte er korrekt seine Körperpflege betrieben, wäre er an der Universität erschienen und hätte dort eine weitere mittelmäßige Vorlesung gehalten, wäre die wissenschaftliche Welt keinen Schritt weiter gekommen. 
 

7-Tage-Plan

Der sieben Tage Plan gegen die Procrastination bedeutet natürlich nicht, dass diese Ziele alle verfolgt werden sollen und vor allem nicht in diesem zeitlichen Ablauf. Die Welt wurde schließlich auch nicht in sieben Tagen erschaffen.

 

Montag: Bedeutung geben

  • Trachten Sie danach der von Ihnen zu erledigen Arbeit eine Bedeutung zu geben. Listen Sie zum Beispiel alle Punkte stichwortartig auf, die Ihnen bedeutungsvoll erscheinen. Welche Vorteile brächte es Ihnen, wenn Ihre Arbeit fertiggestellt wäre? 
  • Dienstag: Zerlegung
  • Zerlegen Sie die Arbeit in kleinere Einheiten, die Sie leichter handhaben können. Nehmen Sie sich dann eine dieser kleinen Teilarbeiten vor und erledigen Sie diese sofort. Dies kann oder sollte etwas sein, was Sie in kurzer Zeit erledigen können, z.B. eine Viertelstunde oder weniger. Erfreuen Sie sich an dem Gefühl etwas vollbracht zu haben.  
  • Mittwoch: Absichtserklärungen
  • Benutzen Sie zum Beispiel kleine Karteikarten, auf denen Sie sich die weiteren kleinen Teilaufgaben vom "Dienstag" notieren. Auf so einer Karte steht dann,  bis wann und was Sie erledigt haben wollen.
  • Donnerstag: Veröffentlichung
  • Verkünden Sie Ihre Absichten öffentlich, d.h. Ihrem Ehepartner, Lebensgefährten, Eltern, Kindern usw. Dadurch erhöhen Sie die Chance Ihr Vorhaben auch wirklich durchziehen zu können. Damit sichern Sie sich die Unterstützung Ihrer Umwelt.
  • Freitag: Belohnung
  • Finden Sie eine Belohnung, die Sie sich gönnen wollen, wenn Sie Ihre Aufgabe erledigt haben. Aber es muss natürlich etwas sein, was Sie sehr gerne wollen und was Sie sich ansonsten nicht gönnen würden.
  • Samstag: Start
  • Starten Sie ohne Verzug. Stellen Sie sich vor, dass es eine kalte Dusche wäre durch die Sie durch müssen. Geht man zu langsam hinein ist die "Qual" endlos. Stellen Sie sich das angenehme warme Prickeln auf der Haut vor, nachdem Sie es hinter sich haben.
  • Sonntag: Widerstehen oder Ablassen
  • Es gilt standhaft bei den Vorsätzen zu bleiben und diese konsequent umzusetzen. Sollte man jedoch feststellen, dass man aus welchen Gründen auch imer die Aufgabe keinesfalls lösen kann oder will, soll man sich nicht selbst etwas vormachen. In diesem Fall soll man die Aufgabe oder Arbeit aufgeben, denn ansonsten führt sie zu "ewiger" Procrastination.
  • BAR-Programm

B Bewusstheit
A Aktion
R Rechenschaft
 
Zuerst sollte man sich bewusst machen, worin die eigentlichen Ursachen der Procrastination liegen, d.h. man darf nicht auf die oberflächlichen und fadenscheinigen Gründe hereinfallen. 

Aus dieser Analyse und Bewusstmachung der Ursachen, kann man konkrete Schritte und Aktionen planen. Jeder Schritt muss konkret überprüfbar und zeitlich einordbar sein. Als Belohnung kann man sich dann gegebenenfalls eine der Aktionen gönnen, die man sonst als Vorwand zum Aufschieben genommen hätte. 

Rechenschaft heißt, dass man die eigenen Fortschritte analysiert und z.B einem Tagebuch (Veränderungslogbuch) Protokoll führt.

Überwindung schädlicher Gedankenmuster


Es ist eine Verwandtschaft zwischen den glücklichen Gedanken und den Gaben des Augenblicks: beide fallen vom Himmel.
Johann Christoph Friedrich von Schiller (1759 - 1805)
 


Der erste Schritt zur Überwindung der Aufschieberitis besteht in der Analyse der gedanklichen Zusammenhänge, die zur Prokrastination führen. Man muss die Wurzeln des Problems erkenen, z.B. Formulierungen wie "Später geht es besser, weil ...." oder "Bevor ich damit anfange, sollte ich noch ... " 

Ängliche Gedankenmuster wie "Ob ich das überhaupt schaffe ...?" sollte man ersetzen durch positive Formulierungen wie "Ich habe schon andere Dinge geschafft ..." Für "andere Dinge" kann und sollte man natürlich auch ganz konkret Erinnerungen an Leistungen der Vergangenheit einsetzen, auf die man stolz sein kann. Wenn dann der Geist der Prokrastination einem suggeriert, dass dies aber damals etwas ganz anderes gewesen sei, dass z.B. die Rahmenbedingungen besser gewesen seiein, dass das Problem einfacher strukturiert gewesen sei, darf man sich nicht beirren lassen. 

Ein häufig empfohlene Hilfe stellt auch das Führen eines Tagesbuches, in das alle das eigene Verhalten betreffende Auffälligkeiten notiert werden. Nach der Auflistung der durchgeführten Tätigkeiten, sollte man diese zur genauen Analyse des Procrastinationsverhaltens folgenden Fragestellungen unterziehen:

persönliche Wichtigkeit 

externe Bedeutung 

Bei welcher Aktivität wurde zuviel Zeit vertan? 

Was war wirklich Notwendig, auf was hätte verzichtet werden können? 

Was wurde nicht erledigt, obwohl es notwendig war? Gründe?


 

Kreislauf oder Teufleskreis der Prokrastination

Die Procrastion durchläuft typischerweise immer wieder die gleichen Phasen.

 

 

 

1. Phase

Der Procrastinator hat am Anfang, also kurz nachdem er zu seiner Aufgabe gekommen ist, ein gutes Gefühl, dass er diesmal alles innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens und systematisch erledigen kann und wird. Je nach Vorgeschichte können aber auch schon in dieser Phase erste Unsicherheiten auftauche, ob es vielleicht doch Probleme geben könnte. Die Aufgabe kann sowohl eine von ihm selbst gestellte sein, z.B. Garten herrichten, Keller aufräumen, usw.  oder eine von extern erteilte, also z.B. vom Chef  oder einer Behörde
 

2. Phase (Chance)

Jetzt wäre die Chance mit der Arbeit frühzeitig zu beginnen, aber auch objektiv gesehen kann man noch warten. Allerdings wäre es jetzt ein sicherer Zeitpunkt, um gegebenfalls spätere nicht selbst zu verantwortende Hinderungsgründe abzupuffern. Der Procrastinator beschließt jedoch noch zu warten, aber mit der festen Absicht, bald zu beginnen. 
 

3. Phase (Erste Ängste)

Der Procrastinator hat zwar schon einige Zeit verstreichen lassen, aber er hat noch nichts verloren. Dennoch stellen sich Vorahnungen ein, die ihm Angst machen, dass er es wieder verschleppen könnte, dass es ihm wieder so gehen könnte, wie all die Male vorher.
 

4. Phase (Der ideale Zeitpunkt verpasst)

Der ideale Einstiegszeitpunkt ist bereits verpasst, aber der Procrastinator klammert sich an die Hoffnung, dass noch alles im Plan laufen könnte. Die Beurteilung ist auch nicht völlig falsch, denn wenn er nicht zu Procrastination neigte, wäre noch genügend Zeit, wenn er sich entsprechend anstrengen würde. Aber er zweifelt daran, ob er zu dieser Leistung fähig sein kann und schiebt weiter von Zweifeln geplagt auf! 
 

5. Phase (Die Falle schnappt zu)

Der Procrastinator spürt, dass er den Boden unter den Füßen verliert. Er sieht ein, dass die Chancen nur noch gering sind, das Projekt zu einem pünklichen und korrekten Ende zu bringen. Gleichzeitig stellen sich Schuldgefühle ein, die ihn zusätzlich lähmen und ihn an der Arbeit hindern. 
 

6. Phase (Finale Entscheidung)

Die endgültige Entscheidung steht nun an. Entweder muss er das Projekt ganz aufgeben und damit sich und gegebenenfalls auch anderen sein Scheitern eingestehen, oder er muss in einem letzten Kraftakt versuchen soviel zu retten, wie noch zu retten ist. Auf jeden Fall wird die Zeit nicht mehr reichen, zu einem zufriedenstellenden Resultat zu kommen. 
 

7. Phase (Reue)

Unabhängig davon, ob es gerade so noch geklappt hatte, mit großen Abstrichen funktionierte oder ob das Projekt durch die Verschleppung scheiterte, stellt sich nun tiefempfundene Reue ein, gepaart mit dem ernstgemeinten Vorsatz es nie mehr soweit kommen zu lassen . Aber beim erfahrenen Procrastinator melden sich schon erste Vorahnungen, dass es auch beim nächsten Mal mit großer Wahrscheinlichkeit wieder so ablaufen wird. 

 

 


1
Strub, R. L. (1989). Frontal lobe syndrome in a patient with bilateral globus pallidus lesions. 
Archives of Neurology, 46, 1024-1027. 
2Die Posttraumatische Belastungsstörung PTBS (im englischen Sprachraum als PTSD, Post Traumatic Stress Disorder, bekannt und besonders nach dem Vietnam-Krieg intensiv untersucht)  stellt eine mögliche Reaktion als Folge eines oder mehrerer traumatischer Ereignisse dar (so z.B. körperliche Gewalt, sexuelle Übergriffe gegen den eigenen Willen unter Gewaltandrohung bzw. anwendung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch in der Kindheit, Krieg, Geiselnahmen, Unfälle, Naturkatastrophen etc.)
Diese Ereignisse können sowohl selbst (z.B. Vergewaltigungsopfer) aber auch an anderen Personen (als hilf- und machtloser Zuschauer) erlebt werden.  
 die an der eigenen Person, aber auch an fremden Personen erlebt werden können. Personen mit  PTBS zeigen häufig grundlegende Störungen und Erschütterungen ihres Selbstverständnisses und ihres Sozial- und Weltverständnisses.

3 Knaus, William, J., Do it no!:break the procrastination habit, Rev. ed., ISBN 0-471-17399-1, 1997
 

Literatur:

Wayne Froggatt: A Brief Introduction to Rational Emotive Behaviour Therapy, 3rd Edition, Feb. 2005 

Ellis, Albert & Knaus, William, J.: Overcoming Procrastination, New American Library, 1977 

William J. Knaus: Do it now!, John Wiley & Sons 

Jane B. Burka & Lenora M. Yuen: Procrastination, Why you do it, What to do about it, 1983, Addison Wesley

 

Don Bannister & Fay Fransella: Inquiring Man: The Psychology of Personal Constructs, 3rd Edition, Croom Helm Ltd.

 

 

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