Die Neue Basis e.V

Landesverband Niedersachsen

Eingetragener Verein zur Selbsthilfe , Aufklärung und Beratung von suchtgefährdeten Menschen und Mitbetroffenen

Bipolare Störung und Kreativität

Oft wird behauptet, Menschen mit einer bipolaren Erkrankung seien besonders kreativ. Dies ist in gewisser Weise richtig, denn die Ideenflut einer Manie oder Hypomanie kann tatsächlich viele kreative Einfälle mit sich bringen und einen veritablen Schaffensrausch hervorrufen. Über die Qualität dieser Einfälle ist damit aber noch nichts ausgesagt. Vieles, was einem bipolar Betroffenen in der Hochphase als geradezu genial erscheint, erweist sich später bei nüchterner Betrachtung als nicht sehr wertvoll oder ist für andere schlicht nicht nachzuvollziehen.

Nichtsdestotrotz gibt und gab es berühmte bipolare Künstler, deren Werk möglicherweise gerade durch die Erkrankung zu etwas ganz Besonderem wurde. Hier seien nur einige wenige genannt und auch nur solche, bei denen die Diagnose „Bipolare Störung“ als gesichert gilt:

  • Robert Schumann
  • Vincent van Gogh
  • Virginia Woolf
  • Sylvia Plath
  • Ernest Hemingway
  • Hermann Hesse
  • Die kreative Betätigung während einer manischen Episode kann nicht nur dazu beitragen, das bedrängende Übermaß an Energie und Einfällen zu kanalisieren und in eine konstruktive Richtung zu lenken. Der spätere Blick auf die in dieser Phase entstandenen Werke ermöglicht es einem selbst auch, das Empfinden eines inzwischen möglicherweise wieder fremd gewordenen Ichs nachzuvollziehen und vielleicht zu verstehen – ein Vorgang, der sicher nicht immer einfach ist. Ebenso kann nach dem Abklingen einer Manie oder Depression das Erlebte künstlerisch be- und verarbeitet werden, auch oder gerade wenn es sich um psychotische und schmerzhafte Erfahrungen handelte. Viele kreativ arbeitende bipolar Betroffene empfinden dies als befreiend und dem Verständnis der Erkrankung dienlich, und nicht ohne Grund werden in Kliniken Therapien angeboten, die auf musikalischem oder bildnerischem Ausdruck basieren.

Kinder und Jugendliche

Die bipolare Erkrankung im Kindes- und Jugendalter

Bipolare Störungen gehören zu den psychiatrischen Krankheitsbildern, die im Kindes- und Jugendalter eher selten auftreten. Aus diesem Grund haben sie lange Zeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie nicht genügend Beachtung gefunden. Erst in den letzten Jahren ist das kinder- und jugendpsychiatrische Interesse an Bipolaren Störungen gewachsen und unser gesichertes Wissen hat einen Stand erreicht, der der Bedeutung dieses Krankheitsbildes angemessen ist. 

Studien haben gezeigt, dass bis zu vier Prozent aller bipolaren Erwachsenen schon im Kindesalter (also bis zum Alter von zehn Jahren) und bis zu 50% vor Erreichen des 18. Lebensjahres eine erste manisch-depressive Episode erlitten. Bipolare Störungen des Jugendalters sind als Frühformen („early onset bipolar disorder“) typischer Bipolarer Störungen anzusehen, wie sie auch im Erwachsenenalter auftreten. Die Symptomatik der Frühformen ist im Wesentlichen gleich, wobei einige alterstypische Unterschiede beschreibbar sind (z.B. etablierte Medikamente wirken nicht so gut). 

Selbsthilfe

 

Zur Bedeutung der Selbsthilfe

Der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann ein wichtiger Teil der Bewältigung und des Umgangs mit einer psychischen Erkrankung sein. Es gibt sowohl Gruppen nur für Betroffene bzw. Angehörige als auch gemischte Gruppen.

Viele Betroffene erleben es als sehr hilfreich, wenn sie sich mit Menschen, die dieselbe Erkrankung haben, austauschen können. Ihre Kompetenz im Umgang mit der Krankheit wird gestärkt und sie können von den Erfahrungen anderer lernen. In Krisensituationen kann eine Selbsthilfegruppe ein stützendes und stabilisierendes Element darstellen. Durch Studien weiß man, dass der Besuch einer Selbsthilfegruppe Klinikaufenthalte verkürzen kann. Mit der Teilnahme an einer Gruppe entstehen neue soziale Kontakte, manchmal auch Freundschaften. Besonders Menschen, die erst kürzlich die Diagnose "Bipolare Störung" bekommen haben, können vom Wissen langjähriger Selbsthilfe-Erfahrener profitieren.

Auch für Angehörige kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe sehr wertvoll sein. Hier können sie lernen, mit der Erkrankung ihres Partners, Kindes oder Elternteils besser umzugehen und diese wirksam zu unterstützen. Auch die manchmal notwendige Abgrenzung und das Achten auf die eigenen Bedürfnisse können vermittelt werden.

"Ist eine Heilung überhaupt möglich?"

Nach dem jetzigen Stand der Dinge muss man leider antworten: Die medizinische Wissenschaft kennt bis jetzt keine gesicherten Heilungswege. Uns sind Fälle bekannt, bei denen die Symptome im Alter schwächer werden, ganz ausbleiben oder nur sehr wenige Krankheitsepisoden erlebt werden. Der weitaus größte Teil aller Betroffenen muss sich jedoch ein Leben lang der Erkrankung stellen. Durch die eigene Auseinandersetzung mit der Erkrankung kann man aber lernen, sich so weit zu steuern, dass zumindest die extremsten Spitzen nach oben oder unten nicht mehr erreicht werden; in manchen Fällen gelingt es sogar, so gut wie keine übermäßigen Stimmungsschwankungen mehr zu erfahren. 

Was erreicht werden kann, ist eine weitgehende 
Symptomfreiheit, das heißt, die einzelnen Episoden laufen nur noch in so abgeschwächter Form ab, dass sie keine Beeinträchtigung der Lebensführung mehr darstellen. In den meisten Fällen ist die Voraussetzung hierfür das Finden einer geeigneten Medikation (Phasenprophylaxe) mit gleichzeitiger psychotherapeutischer Behandlung. Es ist aber sehr schwierig, hier zu verallgemeinern. Bipolare Erkrankungen können sich in so unterschiedlicher Form äußern, dass man geneigt ist zu sagen, es gibt so viele verschiedene Bipolare Störungen wie es Betroffene gibt. Schon beim zeitlichen Ablauf trifft man auf eine extreme Bandbreite, angefangen von sogenanntem Ultradian Rapid Cycling mit mehrmals täglich auftretenden Wechseln zwischen Hochs und Tiefs bis hin zu Verläufen, bei denen zwischen den einzelnen Episoden Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte liegen können. Manche sind auf eine dauernde Einnahme von Medikamenten angewiesen, bei anderen reicht eine genaue Selbstbeobachtung und im gegebenen Fall der Einsatz einer Akutmedikation aus, um beginnende Krankheitsepisoden auszubremsen. 

Das Finden einer geeigneten Medikation ist oft schwierig und kann den Betroffenen und ihren behandelnden Ärzten viel Geduld abverlangen. Was beim einen wirkt, muss dem anderen nicht zwangsläufig ebenfalls nützlich sein. Einige Medikamente entfalten ihre Wirkung erst nach Wochen oder Monaten, weshalb die Suche nach einer passenden Medikation manchmal lange dauern kann. Falls man es geschafft hat, das Auftreten erneuter Krankheitsepisoden durch individuelle Therapiemaßnahmen zu verhindern, sollte man trotzdem nie seine Achtsamkeit verlieren, denn das Risiko eines Rückfalls bleibt meist ein Leben lang. 

Wichtig ist auf jeden Fall eine regelmäßige fachärztliche Betreuung, die von einem vertrauensvollen Verhältnis zwischen Arzt und Patient geprägt sein sollte. Ein durch Therapie, Psychoedukation, Engagement in der Selbsthilfe und anderes gut reflektierter Patient vermag entscheidend zum Finden seiner ganz individuellen Therapiekombination beizutragen. Er kann durchaus zum mündigen Partner seines Arztes werden, mit eigener Verantwortung dem Ohnmachtsgefühl gegenüber dieser Erkrankung begegnen und damit Selbstheilungskräfte mobilisieren.

 „Kann ich eine Manie nicht auch allein durch Willenskraft kontrollieren?“

Zum Wesen einer manischen Episode gehört, dass sie sich nicht mehr willentlich kontrollieren lässt. Auch wenn man die subjektive Empfindung hat, alles im Griff zu haben, ist das objektiv gesehen eben gerade nicht so. Das ist vermutlich die größte Crux einer Manie: Je kränker man ist, desto gesünder fühlt man sich und sieht keinerlei Veranlassung, etwas am gegenwärtigen Zustand zu ändern. Im Gegenteil, gut gemeinte Ratschläge von anderen, zum Beispiel einen Facharzt aufzusuchen oder sich in eine Klinik zu begeben, werden als Zumutung oder als Affront empfunden – man fühlt sich doch so gut! Deshalb ist es auch oft völlig unverständlich für einen Maniker, wenn er wegen seiner Erkrankung zwangseingewiesen werden muss. Hilfreich ist da nur eines – die Anzeichen einer beginnenden Manie frühzeitig zu erkennen und sich selbst und den Angehörigen einen Krisenplan an die Hand zu geben, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Ist die Manie erst einmal angelaufen, gibt es meist kein Zurück mehr.

Eine Hypomanie, die oft der „Vorlauf“ einer Manie ist, lässt sich manchmal noch durch eine reine Verhaltensänderung abfangen. Dazu gehören eine sehr gute Selbstbeobachtung, Einsicht und ein Notfallplan, der zum Beispiel eine Reduktion von Stress (einer der häufigsten Auslöser einer Phase) und Reizreduktion beinhalten kann. Achten Sie nun besonders auf einen geregelten und ausreichenden Schlaf.

Eine beginnende Manie kann in der Regel nur noch durch eine höhere Dosierung der Medikamente oder durch eine sogenannte Notfallmedikation abgefangen werden. Der Unterschied zur Hypomanie liegt im totalen Kontrollverlust. Damit dieser vermieden werden kann, braucht es wiederum Einsicht und Verhaltensänderung, schon 
bevor die Manie beginnt.

 „Wie kann ich einer sich anbahnenden Depression begegnen?“

Sie kommen morgens fast nicht mehr aus dem Bett und würden am liebsten den ganzen Tag darin verbringen? Auch die kleinsten täglichen Aufgaben türmen sich zu unüberwindbaren Bergen? Sie fühlen sich wertlos und schuld an allem, was nicht gut gelaufen ist? Ihre Gedanken kreisen um Ihren Tod und wie Sie ihn schnellstens herbeiführen können?

Dann ist es höchste Zeit zu handeln.

Sofern Sie es noch vermögen, nehmen Sie Kontakt zu Ihrem behandelnden Arzt auf, andernfalls bitten Sie Ihr Umfeld, das für Sie zu tun. Psychotherapeutische Maßnahmen können Ihnen helfen, mit den Symptomen der Depression umzugehen. Ihr Arzt wird wahrscheinlich versuchen, ein geeignetes Antidepressivum für Sie zu finden und im Extremfall einen vorübergehenden Klinikaufenthalt zu veranlassen, um Sie vor sich selbst zu schützen. Beachten Sie, dass es mitunter Wochen dauern kann, bis Antidepressiva anschlagen und das richtige Medikament nicht immer auf Anhieb gefunden wird. 

Setzen Sie sich ganz kleine Ziele, etwa trotz Widerwillen aufzustehen, zu duschen, die dringendsten Haushaltsarbeiten zu erledigen oder wichtige Briefe zu beantworten. Belohnen Sie sich, wenn Sie eine dieser Aufgaben erledigt haben, zum Beispiel mit einer Leckerei.

Bitte bedenken Sie: Eine Depression, dieser schreckliche Zustand der völligen Empfindungslosigkeit, diese ständige Wiederkehr der schwärzesten aller dunklen Gedanken, diese absolute Abwesenheit von Lust, Energie und Antrieb, geht irgendwann zu Ende, auch wenn sich das im Moment überhaupt nicht so anfühlen mag. Halten Sie durch! Wenn Sie kapitulieren und den selbstzerstörerischen Gedanken nachgeben, verursachen Sie unendliches Leid bei Ihren Nächsten.

„Ich stehe nach einer manischen Episode wieder einmal vor einem sozialen und materiellen Scherbenhaufen.“

Es ist oft sehr schwer, den Menschen in seinem Umfeld zu erklären, dass das, was man in einer Manie gesagt und getan hat, die Symptome einer Erkrankung waren. Manche können dafür kein Verständnis aufbringen und wenden sich dauerhaft von Ihnen ab, weil sie durch Ihr Verhalten zu schwer verletzt wurden, bei anderen gelingt es, dieses Verständnis zu wecken. Hier zeigt sich oft, wer ein wahrer Freund und wer doch nur eine Bekanntschaft ist. Mit einer aufrichtigen Entschuldigung kann manch eine Freundschaft jedoch erhalten bleiben.

Die Verantwortung für das Geschehene zu übernehmen, kann ein wichtiger Schritt zur Bewältigung der Bipolaren Störung sein. Damit zeigen Sie, dass Sie zu der Erkrankung stehen und die Diagnose akzeptiert haben. Der nächste Schritt wäre dann, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, um künftige Episoden zu reduzieren oder zu vermeiden (zum Beispiel mit einem 
Krisenplan). Vielleicht hilft es Ihnen auch, nach einer Episode zu realisieren, was Sie daraus gelernt haben und so aus einem „Manko“ einen weiteren Schritt hin zu einem gelungenen Umgang mit der Erkrankung werden zu lassen.

Was Kauf- und Mietverträge angeht, die manisch abgeschlossen werden und oft jedes normale Maß überschreiten, weil man seine finanziellen Möglichkeiten extrem überschätzt hatte, so gibt es unter Umständen die Möglichkeit, diese Verträge rückgängig zu machen. Die Voraussetzung dafür ist, die manische Phase von einem Psychiater attestieren zu lassen, allerdings muss der Arzt einen in dieser Zeit auch gesehen haben. Wenn die Manie einen Aufenthalt in einer Klinik zur Folge hatte, ist es etwas einfacher, sich nachträglich eine vorübergehende Geschäftsunfähigkeit bescheinigen zu lassen. Ein solches Attest  hat jedoch Auswirkungen auf Ihre zukünftigen Geschäftsbeziehungen mit der jeweiligen Person oder Firma – aus nachvollziehbaren Gründen wird man von weiteren Vertragsabschlüssen mit Ihnen Abstand nehmen.

Nicht immer lässt sich allerdings nur mit einem Attest die Sache im Nachhinein wieder "geradebiegen"; es ist durchaus möglich, dass es zu Gerichtsverhandlungen und Begutachtungen kommt.

Bipolar: Erkennen und erfolgreich behandeln

Stimmungsschwankungen, Phasen der Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit sowie Phasen der Euphorie, Gereiztheit oder Aggressivität kennt jeder Mensch aus eigener Erfahrung. Die Übergänge von einer normalen Entwicklung zu einer behandlungsbedürftigen Störung sind fließend. Handlungsbedarf besteht dann, wenn die Stimmungsveränderungen länger anhalten und sich die Betroffenen und/oder deren Angehörige in ihrem Erleben oder Funktionieren im Alltag beeinträchtigt fühlen.

Die Ursachen einer bipolaren Erkrankung sind bis dato immer noch unbekannt. Allerdings wurden bestimmte Risikofaktoren eruiert, dazu gehören: genetische Vorbelastung (erblich bedingte „Vulnerabilität“), biologische und psychosoziale Parameter sowie bestimmte Lebensgewohnheiten. So ist beispielsweise das Erkrankungsrisiko von Kindern mit einem manisch-depressiv erkrankten Elternteil um bis zu 20% erhöht. Sind beide Elternteile betroffen, steigt das Risiko sogar auf bis zu 60%. Auch Zwillingsstudien aus den 1920er-Jahren belegen die erbliche Veranlagung: Bei eineiigen Zwillingen kann die Wahrscheinlichkeit bis zu 80% betragen, dass bei beiden Zwillingen die bipolare Erkrankung ausbricht. Allerdings gibt es keine 100%ige Sicherheit für einen Krankheitsausbruch, folglich kann die genetische Veranlagung nicht die alleinige Ursache sein. Eine Vielzahl anderer Faktoren, die uns im Laufe eines Lebens betreffen, kann sich entweder günstig oder ungünstig auf Ausbruch sowie Verlauf der Erkrankung auswirken, dazu gehören familiäres und soziales Umfeld, Stress, Lifestyle etc. Moderne Untersuchungsmethoden haben außerdem bei Manie und Depression eine Veränderung des Transmitterstoffwechsels im Gehirn festgestellt.

Einflussfaktoren und Lebensstil

Bei gegebener genetischer Disposition tritt ein erster Krankheitsschub signifikant häufig drei bis sechs Monate nach einem subjektiv als belastend erlebten Ereignis (Jobverlust, Scheidung, Trennung, Todesfall, Arbeitswechsel, Karriereaufstieg, Verliebtheit, Übersiedlung, die Geburt eines Kindes bei Frauen, aber auch bei Männern) auf. Die genaue Diagnose ist für den Facharzt wesentlich leichter, wenn der Betroffene, im Idealfall gemeinsam mit den nächsten Angehörigen, versucht, sämtliche Stimmungsschwankungen im Laufe des bisherigen Lebens auf einem Blatt Papier dazustellen (Phasenkalender/„life-chart“)

Alkohol und Drogen führen zu einer Stimmungsaufhellung bzw. bremsen sie die Getriebenheit der Manie, allerdings ist dieser Effekt nur von kurzer Dauer, langfristig werden die Krankheitssymptome verstärkt. Zusätzlich kann das Problem eines Substanzmissbrauchs oder einer Abhängigkeit den Therapieverlauf erschweren.

Generell ist ein geregeltes Schlafverhalten für die psychische Gesundheit von großer Bedeutung. Gerade bipolar Erkrankte sollten einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus einhalten. Manischen oder depressiven Phasen geht im Normalfall ein verändertes Schlafverhalten voraus (Ein- und Durchschlafstörungen bei Depression, Schlafverkürzung bei Manien). Schichtarbeit, Nachtdienste, Fernreisen mit Jetlag oder chronischer Lichtmangel wirken sich ungünstig auf bipolar Erkrankte aus.

Bezüglich Ernährung werden manchmal Omega-3-Fettsäuren, Folsäure und andere Nahrungsergänzungszusätze bei der bipolaren Erkrankung als hilfreich empfohlen. Eine solide Datenbasis gibt es hierfür jedoch nicht.

 Pubertäre Krise oder Beginn einer bipolaren Erkrankung?

In der Fachliteratur wird der Beginn des bipolaren Krankheitsgeschehens meist um das 20. Lebensjahr angegeben. Deutliche Abweichungen sind jedoch möglich.

Im Kindesalter:

Es gibt Berichte von bipolaren Episoden bereits im 5. Lebensjahr. Falls Kinder sozial auffälliges Verhalten oder ein Hyperaktivitätssyndrom aufweisen, sollte daher im weiteren Verlauf der Beginn eines manisch-depressiven Krankheitsgeschehens in Betracht gezogen werden. Auch bei erwachsenen Patienten sollte für eine genaue Diagnose nach solchen eventuellen frühen Episoden gefragt werden.

In der Pubertät:

Auch zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr, also im Jugend- und Adoleszenzalter, gibt es Fälle von ersten manischen oder depressiven Episoden. Da die Pubertät häufig generell als „Krise“ erlebt wird, werden psychische Auffälligkeiten häufig jedoch auf das Alter geschoben – und erste Anzeichen einer Depression somit oftmals übersehen. Extreme Niedergeschlagenheit, chronische Müdigkeit, völlige Unlust zu lernen oder die Ausbildung zu beenden sollten jedoch als Warnsymptome ernst genommen und weiter abgeklärt werden. Auch eine erste manische oder hypomanische Episode kann in der Pubertät auftreten, was gefährliche Folgen nach sich ziehen kann, denn die extrem positive Gestimmtheit und Überaktivität kann zu unüberlegtem Verhalten und erhöhter Risikobereitschaft motivieren.

Zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr:

Gerade bei Krankenhauspatienten ist ein Altersgipfel zwischen dem 45. und dem 55. Lebensjahr zu beobachten. Möglicherweise erfolgt die Diagnosestellung erst aufgrund des erstmaligen Krankenhausaufenthaltes, doch auch die hormonelle Umstellung vor allem bei Frauen, aber auch bei Männern, sowie die sozialen Veränderungen in dieser Lebensphase (wenn z.B. die Kinder das Elternhaus verlassen) könnten eine mögliche Erklärung sein. Zudem bleiben die ersten, leichteren Episoden der bipolaren Erkrankung oftmals unbemerkt.

Begleitende und andere Erkrankungen

Durch veränderte Stimmungslage, beeinträchtigte Wahrnehmung sowie Interaktion mit der Umwelt bei bipolar Erkrankten besteht ein gesteigertes Risiko der Betroffenen, Angsterkrankungen wie Sozialphobie und Panikstörungen sowie Alkohol- oder Nikotinsucht zu entwickeln oder in die Drogenszene zu schlittern. Das frühzeitige Erkennen, ob es sich z.B. um eine isolierte Drogenproblematik bzw. Angsterkrankung oder um ein zusätzliches Problem im Rahmen einer bipolaren Erkrankung handelt, ist für die weitere Vorgehensweise sowie die ärztliche/therapeutische Beratung von entscheidender Bedeutung.

 Symptommanagement

Wie die vielen Untersuchungen zum Thema bipolare Erkrankungen gezeigt haben, geht die Krankheit mit einem hohen Risiko für Suizide und Suizidversuche sowie einem verstärkten Aggressionsverhalten gerade bei jüngeren Menschen einher. Die Forschung hat sich intensiv mit diesen Folgeerscheinungen der Erkrankung beschäftigt. Neben neuen medikamentösen Behandlungsformen gelangte man zur Erkenntnis, dass ein ausführliches Wissen über die Erkrankung samt ihren vielfältigen Verlaufsmöglichkeiten von großer Bedeutung ist. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff Symptommanagement geprägt, d.h. die Aufgabe von Ärzten und Therapeuten ist es auch, dem Betroffenen das „Handwerkszeug“ zu vermitteln, wie er mit den einzelnen Symptomen besser umgehen kann und worauf er zu achten hat, um nicht wieder in eine schwere Krankheitsepisode zu fallen, die unter Umständen sogar einen Klinikaufenthalt notwendig machen könnte.

Besonderheiten im Verlauf

Rapid Cyling: Das Phänomen der „raschen Zyklen“ beschreibt das Auftreten von mindestens vier Episoden in einem Jahr, wovon mindestens eine hypomanisch oder manisch ist. Rapid Cyling gestaltet sich etwas schwierig in der Behandlung, deswegen sollten die Betroffenen unbedingt in einer Spezialambulanz behandelt werden. Die raschen Zyklen können im Extremfall auch innerhalb weniger Tage (Ultra Rapid Cycling) oder am selben Tag innerhalb von Stunden (Ultra Ultra Rapid Cycling) schwanken.

Kippen: Die meisten Patienten erleben das Auftreten von Episoden als langsam und schleichend. 10% der Betroffenen „kippen“ jedoch direkt in die Depression oder Manie, d.h. die Stimmungslage wechselt über Nacht oder innerhalb eines Tages in den depressiven oder manischen Pol. Häufig berichten Patienten, dass sie frühmorgens aufwachten und sich plötzlich in einer depressiven Episode befanden. Dieses „Kippen“ ist nicht ungefährlich, denn davon Betroffene neigen vermehrt zu Alkoholkonsum und sind auch verstärkt suizidgefährdet. Eine stationäre Aufnahme ist in diesem Fall dringend anzuraten! Auch das Kippen in die Manie ist möglich. Umgekehrt gibt es auch das schlagartige Kippen aus einer Episode, die mehrere Wochen oder gar Monate angedauert hat, heraus. Wenn ein depressiver Patient auf einmal gut gelaunt beim Frühstück sitzt, als hätte es das vorangegangene wochenlange Stimmungstief nicht gegeben, führt dies oftmals bei den Angehörigen zu Unverständnis und sogar Aggression. In der therapeutischen Begleitung sollte dieses Phänomen daher unbedingt vor dem Auftreten erwähnt und in der konkreten Situation mit den Angehörigen besprochen werden.

Switchen: Die Verwendung von Antidepressiva kann unter Umständen nicht nur eine Normalisierung der Stimmungslage zur Folge haben, sondern sogar zu einem leichten Stimmungshoch führen. Ein höheres Switchrisiko weisen vor allem die trizyklischen Antidepressiva (TCAs) sowie jene mit einer sogenannten noradrenergen Wirkung auf, ein geringeres hingegen die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs). Letztendlich richtet sich die medikamentöse Behandlung nach dem Krankheitsverlauf im Gesamten, da gewisse Medikamentengruppen auf bestimmte Verlaufsformen besser ansprechen. Es ist wichtig, ein Switchphänomen zu registrieren, da sich damit ein bipolarer Krankheitsverlauf bestätigt, hingegen eine rein depressive Erkrankung eher auszuschließen ist. Diese Verlaufsform wird von einigen Autoren (Akiskal) auch bipolar III genannt.

Mischbild, Mischzustand, gemischte Episode: Es kann vorkommen, dass ein depressiver Mensch um 4 Uhr früh aufwacht und über seine scheinbar ausweglose Lebenssituation verzweifelt, voller Ängste den Tag beginnt und so niedergeschlagen seinen Angehörige und Kollegen begegnet. Im Laufe des Tages wechselt dann die Stimmung, er ist wieder guter Dinge und voller Tatendrang – sehr zur Verwunderung seiner Umwelt. Ebenso können manische und depressive Symptome gleichzeitig vorhanden sein. Die Beurteilung solcher Patienten ist stark abhängig von der Tageszeit. Als Behandler ist man oft versucht, den Angehörigen keinen Glauben zu schenken, wenn sie den Patienten völlig anders schildern, als dieser sich in der Arztpraxis präsentiert. Auch für den Betroffenen ist es oft schwierig, diese „Achterbahn“ der Gefühle zu verstehen. Vor allem beim Übergang von einer Episodenqualität in die andere können solche gemischten Zustände auftreten

 

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