Die Neue Basis e.V

Landesverband Niedersachsen

Eingetragener Verein zur Selbsthilfe , Aufklärung und Beratung von suchtgefährdeten Menschen und Mitbetroffenen

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Das Leben - eine Achterbahnfahrt?

 

Schlechte Tage hat jeder, gute auch: Kein Wunder also, dass die Mundwinkel mal nach unten hängen und sich dann wieder vor Lachen nach oben biegen. Bei Menschen mit einer Bipolaren Störung - auch als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet - ist das anders: Sie fallen oft ohne nachvollziehbare Gründe von einem Extrem ins andere. Je nach Ausprägung der Störung gehen manische und depressive Episoden mal direkt ineinander über, mal liegen ganze Jahre symptomfreier Zeit dazwischen. Obwohl die Erscheinungsformen der bipolaren Erkrankung Ärzte schon seit 2000 Jahren beschäftigen, steht die Aufklärung der Öffentlichkeit noch ganz am Anfang.

Was ist eine bipolare (manisch-depressive) Erkrankung?

Jeder Mensch kennt es: Schwankungen der Gefühle. Manchmal ist die Stimmung gut, manchmal eher schlecht. Das aber ist normal. Menschen mit einer Bipolaren Störung leben jedoch mit extremen Emotionen. Im Spannungsfeld zwischen Manie und Depression ist ein geregeltes Leben kaum möglich.

Das wiederkehrende Auf und Ab der Emotionen mit Schwankungen der Stimmung und des Antriebs sind ebenso Realität wie ein zwanzigfach erhöhtes Suizidrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

Nur wenige Betroffene wissen um ihre Krankheit und finden den Weg zu einem geschulten Arzt oder Psychologen. Dabei könnten eine rechtzeitige Diagnose und eine gezielte Behandlung den Krankheitsverlauf wesentlich verbessern.

 

Zur Bedeutung der Bipolaren Störung

 

Häufigkeit des Auftretens

Bipolare Störungen (auch als manisch-depressive Erkrankungen bekannt) gehören zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen in der Bundesrepublik Deutschland. In der Allgemeinbevölkerung wird die Möglichkeit, im Verlauf des Lebens an einer Bipolaren Störung zu erkranken, auf 1,3 bis 1,8 % für die Bipolare Störung Typ I (Manien und Depressionen) sowie auf 1 bis 3 % für die Bipolare Störung Typ II (Depressionen und Hypomanien) geschätzt, wobei die sogenannte Punktprävalenz (wie viele sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt erkrankt) bei etwa 0,5 bis 0,9 % liegt. Laut "Weißbuch bipolar" muss man insgesamt von einer Häufigkeit von bis zu 2 % ausgehen, was die bipolaren Kernerkrankungen (Bipolar I- und II-Störung) angeht. Werden auch die Erkrankungen aus dem gesamten bipolaren Spektrum berücksichtigt (Zyklothymie, schizoaffektive Störungen etc.), so werden in manchen Studien Zahlen von bis zu 5 % Betroffener in der Gesamtbevölkerung genannt.

Was sind Bipolare Störungen?

Jeder Mensch hat bei sich selbst bestimmt schon Stimmungsschwankungen festgestellt. Wir ärgern uns, wenn wir zu Unrecht gerügt werden oder freuen uns über ein Lob. Diese Stimmungsveränderungen sind ganz normale Reaktionen auf entsprechende Lebenssituationen und ein wesentlicher Bestandteil unseres täglichen Lebens. Im Gegensatz dazu kommt es bei Menschen, die an Bipolaren Störungen leiden, zu völlig übersteigerten Stimmungsschwankungen und Aktivitäten. 

Typischerweise treten die übersteigerten Stimmungsschwankungen entweder ohne einen entsprechenden Anlass auf oder sie bleiben nach einer bestimmten Lebenssituation wie z.B. dem Verlust eines nahestehenden Menschen auch dann weiter bestehen, wenn die auslösende Situation eigentlich keine Belastung mehr darstellt. Die Stimmungsschwankungen entwickeln also eine Eigendynamik, die nicht mehr mit äußeren Umständen erklärbar ist. Mit Bipolaren Störungen bezeichnet man eine Gruppe krankhafter Stimmungsschwankungen bzw. -veränderungen, die sich zwischen den Extrempunkten auf der Skala menschlicher Gefühle bewegen und durchaus sehr verschiedene und individuelle Ausprägungen sowie Verläufe haben können. Es handelt sich um keine klar umschriebene Erkrankung, wie man es etwa vom Bluthochdruck oder Diabetes mellitus kennt, sondern um eine in Episoden oder Phasen verlaufende psychische Erkrankung, die das ganze Spektrum der menschlichen Stimmungszustände widerspiegeln kann. Manie und Depression bezeichnen dabei die Tendenz der Stimmungsveränderungen. Nicht selten können aber auch Krankheitszeichen der Manie und der Depression gleichzeitig vorliegen, z.B. starke Unruhe bei gleichzeitiger gedrückter Stimmung. Hier spricht man von "Mischzuständen".

Bipolare Störungen betreffen aber nicht nur die Stimmung und Antrieb, sondern haben auch Auswirkungen auf unser Denken, unsere Gefühle, unseren Körper und unsere Fähigkeit zur Lebensbewältigung. Patienten, die an einer Bipolaren Störung leiden, sind genauso „krank“ wie Menschen mit einem Herzleiden oder Diabetes. Die Erkrankung ist weder ihre eigene Schuld, noch haben die Betroffenen eine schwache Persönlichkeit. Bipolare Störungen sind behandelbare Erkrankungen, die jeden von uns treffen können.   

Welche Symptome gibt es bei Bipolaren Störungen?

 

Bei einer Bipolaren Störung schwankt die Stimmung des Erkrankten zwischen den Phasen der Hochstimmung und der Niedergeschlagenheit. Dazwischen können immer wieder Phasen einer ausgeglichenen Stimmung liegen. Im klassischen Verlauf wechseln die Betroffenen während Ihrer Erkrankung immer wieder zwischen folgenden Zuständen:

Manie

Liegen mindestens drei der folgenden Merkmale

  • Gesteigerte Aktivität
  • Ruhelosigkeit
  • Rededrang
  • Ideenflucht
  • Gedankenrasen
  • Verlust sozialer Hemmungen
  • Vermindertes Schlafbedürfnis
  • Überhöhte Selbsteinschätzung
  • Ablenkbarkeit
  • Ständiger Wechsel von Aktivitäten
  • Tollkühnes oder rücksichtsloses Verhalten
  • Gesteigerte Libido
  • vor und ist Stimmung während mindestens einer Woche ungewöhnlich gehoben oder auch gereizt und stellt eine schwere Beeinträchtigung der Lebensführung dar, dann spricht man von einer Manie.

Hypomanie

Liegen mindestens drei der folgenden Merkmale

  • Gesteigerte Aktivität
  • Unruhe
  • Gesprächigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Ablenkbarkeit
  • Vermindertes Schlafbedürfnis
  • Libidosteigerung
  • Leichtsinniges oder verantwortungsloses Verhalten
  • Gesteigerte Geselligkeit
  • vor und ist die Stimmung an vier aufeinander folgenden Tagen gehoben oder gereizt, wobei die persönliche Lebensführung normalerweise nicht beeinträchtigt ist, spricht man von einer hypomanen Episode. Eine solche Hypomanie erfüllt nicht die Kriterien einer Manie und kann als deren abgeschwächte Form bezeichnet werden.

Depression

Liegen über einen Zeitraum von zwei Wochen Hauptsymptome wie

  • Depressive Stimmung
  • Verlust von Interesse und Freude
  • Antriebsmangel
  • und Zusatzsymptome wie
  • Verlust des Selbstwertgefühls
  • Selbstvorwürfe
  • Schuldgefühle
  • Todes- und Suizidgedanken
  • Suizidales Verhalten
  • Vermindertes Denk- und Konzentrationsvermögen
  • Unentschlossenheit
  • Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung
  • Schlafstörungen
  • Appetitstörungen

Mischzustand

Als besonders einschränkend wird eine Mischform zwischen Manie und Depression empfunden.

Ursachen der Bipolaren Störung

 

Die Entstehung Bipolarer Störungen ist im Sinne einer anlagebedingten Verletzlichkeit des Nervensystems zu verstehen, die von vielen weiteren äußeren Faktoren beeinflusst wird. Ob ein Lebensereignis eine Bipolare Störung auslöst, hängt also von der individuellen Disposition ab. Folgende Faktoren werden als ursächlich angesehen:

Genetische Faktoren

In Zwillings-, Familien-, und Adoptionsstudien konnte gezeigt werden, dass bei Verwandten ersten Grades von Patienten mit Bipolaren Störungen solche Erkrankungen etwa sieben Mal häufiger auftreten. So zeigt sich beispielsweise, dass wenn ein Elternteil erkrankt ist, bei den Nachkommen eine Wahrscheinlichkeit von ca. 10% besteht, an derselben Störung zu erkranken. Sind beide Elternteile betroffen, liegt das Erkrankungsrisiko sogar bei ca. 40 bis 50%. Leidet ein eineiiger Zwilling an einer Bipolaren Störung, so ist sein Zwilling mit einer ca. 60-prozentigen Wahrscheinlichkeit ebenfalls erkrankt. Eine Bipolare Störung ist jedoch keine „Erbkrankheit“ im engen Sinne, die nach den Mendelschen Regeln vererbt wird. Viele verschiedene Gene, die wohl vor allem auf den Chromosomen 18, 4 und 21 liegen und die wichtig sind für Noradrenalin, Serotonin sowie für die Plastizität des Nervensystems, scheinen zu dem Störungsbild beizutragen. Dabei muss man auch wissen, dass viele Menschen Veränderungen in diesen Genen aufweisen. Wenn jedoch bei einer Person viele solcher Gene verändert sind, dann besteht eine größere Disposition, an einer Bipolaren Störung zu erkranken.

Biologische Faktoren

Bei Patienten mit Bipolaren Störungen sind Veränderungen im Neurotransmitterhaushalt festgestellt worden. Unter Neurotransmittern versteht man chemische Botenstoffe, die an der Weiterleitung von Nervenimpulsen beteiligt sind. So fand sich bei depressiven Menschen ein Mangel an den Neurotransmittern Noradrenalin und Serotonin. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass nicht einzelne Veränderungen der Neurotransmitter, sondern eine Störung des Gleichgewichts verschiedener Transmitter ursächlich ist. Außerdem ist bei depressiven Menschen die Empfindlichkeit und Dichte der Rezeptoren verändert, auf die die Neurotransmitter einwirken. Neurotransmitter scheinen auch bei der Entstehung der Manie eine Rolle zu spielen. Bei dieser Störung liegt eine erhöhte Konzentration der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin vor.

Körperliche und auf Medikamente bezogene Ursachen

Grundsätzlich kann jede körperliche Erkrankung zu psychiatrischen, d.h. auch zu manisch-depressiven Symptomen führen oder sie verursachen. So können Veränderungen des Schilddrüsensystems zu Zuständen von Inaktivität und gedrückter Stimmung führen, aber auch zu gesteigerter Aktivität und Getriebenheit. Solche psychischen Veränderungen können auch bei Erkrankungen der anderen Hormonsysteme des Menschen auftreten, aber auch bei Bluthochdruck und anderen Herz- und Kreislauferkrankungen sowie vielen neurologischen Erkrankungen. Auf der anderen Seite können Medikamente wie das Cortison manisch-depressive Zustandbilder auslösen. Ebenso können Bluthochdruckmittel wie Beta-Blocker oder Antibiotika u.ä. diese Wirkung zeitigen. Außerdem ist anzumerken, dass nicht nur Drogenkonsum, sondern auch Alkohol die affektive Gemütslage des Menschen verändert und zu großer Antriebssteigerung führen, aber auch den gegenteiligen Effekt haben kann. Auf die Dauer verändert Alkohol das Gehirn so, dass sich affektive Erkrankungen manifestieren können.

Psychosoziale Faktoren

Man nimmt heute verstärkt an, dass belastende Lebensereignisse (sog. „life events“) wie frühe Scheidung der Eltern, Trauerfälle, frühe schwere körperliche Erkrankungen etc., aber vor allem Traumata wie sexueller Missbrauch, körperliche Misshandlung und fortgesetzte Vernachlässigung zu psychiatrischen Erkrankungen wie der Bipolaren Störung führen können bzw. bei einer vorbestehenden individuellen Disposition diese mitverursachen können. Auslöser für eine Bipolare Störung sind Stress und psychische Belastung. Auf psychosozialen Stress wie Partnerschaftkonflikte, Arbeitsplatzschwierigkeiten, Wohnungswechsel etc. können Betroffene viel sensibler reagieren als Nicht-Betroffene. Daher ist die Lebensführung sehr wichtig: Wie gehe ich mit Stress um? Schlafe ich ausreichend? Betäube ich mich mit Alkohol? Kann ich noch abschalten? Das sind einige der Fragen, die sich jeder Betroffene, aber auch seine Angehörigen und Behandler stellen sollten.

Vulnerabilitäts-Stress-Modell

DGBS-Mitglied Wilhelm Reher hat das ursprünglich auf die Schizophrenie bezogene Vulnerabilitäts-Stress-Modell von Joseph Zubin und Bonnie Spring so modifiziert, dass es auf Bipolare Störungen angewendet werden kann. Hier wird deutlich gemacht, wie eine angeborene oder erworbene Verletzlichkeit (Vulnerabilität) zusammen mit äußeren Faktoren wie Stress oder psychische Belastungen das Auftreten von Krankheitsepisoden begünstigen kann, aber auch, mit welchen Mitteln man gegensteuern kann (Psychoedukation, Psychotherapie, Selbstmanagement, Psychopharmakotherapie etc.)
Freundlicherweise stellt uns Herr Reher dieses Modell als 
Download zur Verfügung.

Verlauf der Bipolaren Störung

 

Zu welchem Zeitpunkt kann eine Bipolare Störung auftreten?

Gewöhnlich treten die ersten Symptome einer Bipolaren Störung zwischen dem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr auf. In seltenen Fällen können die ersten Krankheitsepisoden auch schon bei Jugendlichen vorkommen. Bei Menschen, die nach dem fünfzigsten Lebensjahr an einer Manie erkranken, ist eine Bipolare Störung eher unwahrscheinlich, jedoch nicht ausgeschlossen. In diesen Fällen ist die zugrunde liegende Ursache oft eine neurologische oder internistische Erkrankung, Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder auch eine Medikamentennebenwirkung. Bipolare Störungen betreffen Männer und Frauen zu gleichen Teilen, wobei die Erkrankung bei Männern eher mit manischen Episoden und bei Frauen eher mit depressiven Episoden beginnt. Insgesamt sind in der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1,5 bis 5% der Bevölkerung von Bipolaren Störungen betroffen, das entspricht einer bis vier Millionen Menschen. Damit leiden in Deutschland mehr Menschen an Bipolaren Störungen als an Diabetes mellitus.

Wie verlaufen Bipolare Störungen?

Da es sich bei Bipolaren Störungen um kein einheitliches Krankheitsbild handelt, kann die Erkrankung sehr verschieden verlaufen. Grundsätzlich gilt, dass sie in Phasen oder, wie die Fachleute sagen, in manischen oder depressiven Episoden verläuft. Die Dauer der Krankheitsepisoden kann zwischen einigen Tagen, mehreren Monaten und - das ist sehr selten - einigen Jahren variieren. Im Durchschnitt dauert eine Krankheitsepisode bei unbehandelten Patienten zwischen vier und zwölf Monaten. Dabei können manische und depressive Episoden einzeln auftreten oder auch ineinander übergehen. Ein Teil der Patienten bekommt mehr manische, andere mehr depressive Episoden. Auch ein Wechseln von manischer zu depressiver Episode innerhalb einer Krankheitsepisode ist möglich. Schließlich gibt es auch sogenannte Mischzustände: Symptome der Depression und der Manie treten unterschiedlich stark zeitgleich auf.
 
Zwischen den einzelnen Krankheitsepisoden können Intervalle von mehreren Monaten oder Jahren liegen, in denen der Patient völlig beschwerdefrei ist bzw. über eine stabile Stimmungslage verfügt. In diesen Zeiten sind die Patienten meist voll leistungsfähig und in der Lage, den Anforderungen des täglichen Lebens zu genügen. Im Durchschnitt sind Patienten mit Bipolaren Störungen zwischen den einzelnen Krankheitsepisoden zwei bis drei Jahre beschwerdefrei. Darüber hinaus gibt es auch eine individuell unterschiedliche Anzahl an Krankheitsepisoden. Manche Patienten haben im Laufe ihres Lebens nur ein oder zwei Episoden, während andere deutlich häufiger erkranken. Durchschnittlich erleiden Menschen mit Bipolaren Störungen etwa vier Krankheitsepisoden innerhalb der ersten zehn Erkrankungsjahren. Entsprechend der Art der Krankheitsepisoden und der Ausprägung werden die Bipolaren Störungen nach folgendem Schema unterteilt:

Bipolar I-Störung

Von einer Bipolar I-Störung spricht man, wenn die Betroffenen mindestens eine über 14 Tage andauernde manische Episode und mindestens eine depressive Episode hatten.

Bipolar II-Störung

Von einer Bipolar II-Störung spricht man, wenn die Betroffenen mindestens eine über 14 Tage andauernde depressive Episode und mindestens eine hypomane (leichtere Form der Manie) Episode hatten.

Zyklothyme Störung

Von einer Zyklothymen Störung spricht man, wenn die Betroffenen über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren ständig leichte manische und depressive Stimmungsschwankungen haben, wobei die einzelnen Episoden nicht alle Kriterien einer Manie oder Depression erfüllen. Dieses Störungsbild wird aber heute eher selten diagnostiziert und wird manches Mal mit dem historischen Begriff der „Zyklothymie“ verwechselt, der früher als Synonym für alle Bipolaren Störungen galt.

Obwohl die aufgeführte Einteilung auf den ersten Blick verwirrend erscheinen mag, so hat sie durchaus Bedeutung für die Behandlungsstrategie und die Wahl der entsprechenden Medikamente. Während Patienten mit Bipolar I- und -II-Störungen eigentlich immer medikamentös behandelt werden müssen, hängt es bei Patienten mit einer Zyklothymen Störung vom persönlichen Leidensdruck ab, ob eine entsprechende Therapie eingeleitet werden muss.

Besondere Risiken bei Bipolaren Störungen

Bipolar erkrankte Menschen haben im Schnitt eine um neun Jahre verkürzte Lebenserwartung und sie verlieren gegenüber der Allgemeinbevölkerung durchschnittlich 12 gesunde Lebensjahre. Ebenso gravierend können die Auswirkungen auf die sozialen und familiären Aspekte des Lebens sein: Im Schnitt verlieren bipolar Erkrankte 14 Jahre normaler beruflicher und familiärer Aktivität.

 

Wie wird eine Bipolare Störung diagnostiziert?

Obwohl Bipolare Störungen "richtige" und vor allem auch ernst zu nehmende Erkrankungen sind, gibt es zurzeit keinerlei Möglichkeiten, die Diagnose mithilfe von Laboruntersuchungen oder anderen Untersuchungsmethoden zu stellen. Die Diagnose kann nur im Rahmen einer intensiven Befragung des Erkrankten, manchmal auch der nächsten Angehörigen, eruiert werden. Wesentlicher Bestandteil der Diagnosefindung ist ein genauer Bericht der Lebensgeschichte und der Probleme der Erkrankten. Der behandelnde Arzt wird in diesen Gesprächen versuchen, bestimmte für Bipolare Störungen charakteristische Symptome zu finden. Die endgültige Diagnose wird in den allermeisten Fällen allerdings nicht beim ersten Arztbesuch gestellt werden können, da Patienten mit Bipolaren Störungen teilweise sehr vielfältige Probleme und Symptome aufweisen können. Im schlechtesten Fall können vom Auftreten der ersten Symptome, beispielsweise einer depressiven Phase, bis zur korrekten Diagnose bis zu 15 Jahre vergehen, im Durchschnitt sind es etwa 10 Jahre.
 
Dieser Umstand ist vor allem auf zwei Gründe zurückzuführen: Viele potenzielle Patienten sind schlecht oder gar nicht informiert. Depressive Menschen beispielsweise halten ihre über längere Zeit anhaltenden Stimmungsveränderungen häufig für schlechte Laune oder trösten sich damit, dass sie zurzeit eine schlechte Phase haben. Andererseits empfinden manische Menschen ihre "gute Laune" und gesteigerte Leistungsfähigkeit nicht als Krankheit. Warum auch? Sie fühlen sich schließlich teilweise ausgesprochen gut.
 
Der zweite Grund ist, dass viele Menschen immer noch eine große Scheu empfinden, mit ihren psychischen Problemen zum Arzt zu gehen. Wird der Leidensdruck dennoch so groß, dass sie einen Arzt aufsuchen, wenden sie sich zunächst an ihren Hausarzt. Dieser ist jedoch meist kein Nervenarzt oder Psychiater. Bei etwa 60% der Patienten wird die Erkrankung nicht erkannt oder fehldiagnostiziert. Leider wird die richtige Diagnose meist erst nach mehreren Krankheitsphasen gestellt.

Warum ist es so wichtig, Patienten mit Bipolaren Störungen zu erkennen und sie zu therapieren?

Bis zur exakten Diagnosestellung waren die meisten Patienten in Deutschland im Durchschnitt innerhalb von acht Jahren bei drei bis fünf verschiedenen Ärzten und hatten bereits mehrere Therapieversuche hinter sich. Dabei ist die Prognose der Erkrankung wesentlich davon abhängig, wie schnell die Diagnose gestellt wird und zu welchem Zeitraum eine entsprechende Therapie eingeleitet wird. Grundsätzlich gilt, je weniger Krankheitsphasen bis zur Einleitung einer Therapie vorliegen, desto besser sprechen die Patienten auf die Behandlung an.

Durch eine schnelle Therapieeinleitung können die folgenden psychischen und sozialen Probleme vermieden werden:

Vermeidung von Suizidversuchen (Selbsttötung)

Gerade während der Entstehungsphase der Erkrankung ist das Risiko für einen Suizid am größten. Patienten mit Bipolarer Störung gelten deshalb in der Psychiatrie als diejenigen mit dem höchsten Selbsttötungsrisiko.

Vermeidung von Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch

Bei ungefähr der Hälfte aller Erkrankten finden sich in der Krankengeschichte Hinweise auf den Missbrauch von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Häufig werden die unterschiedlichen Substanzen zur "Selbsttherapie" eingesetzt. Viele Patienten versuchen dadurch ihren Leidensdruck zu reduzieren und geraten dabei unweigerlich in die Abhängigkeit.

Vermeidung von Beziehungskonflikten und Erhaltung der Arbeitskraft

Je schneller die Betroffenen behandelt werden, desto höher ist die Chance, dass eine bestehende Partnerschaft nicht unter dem Druck der Erkrankung zerrüttet wird und die Arbeitskraft des Erkrankten erhalten bleibt.

Vermeidung von falschen Behandlungsmethoden

Werden Bipolare Störungen nicht als solche erkannt, besteht die Gefahr, dass die Symptome der Betroffenen mit ungeeigneten Medikamenten behandelt werden. Im schlimmsten Fall kann es dadurch zu einer Verschlechterung der Erkrankung oder zur Auslösung einer weiteren Krankheitsepisode kommen. 

 

Theraie der Bipolaren Störung

Wie können Bipolare Störungen behandelt werden?

Mittlerweile stehen der modernen Medizin verschiede Möglichkeiten zur Behandlung von Patienten mit Bipolaren Störungen zur Verfügung. Bevor jedoch auf die einzelnen Behandlungsmethoden eingegangen wird, ist es wichtig für die Betroffenen und ihre Angehörigen zu wissen, was durch die Therapie erreicht werden soll! Die Behandlung der Bipolaren Störungen verfolgt im wesentlichen drei Ziele:

Die Akutbehandlung

Ziel der Akutbehandlung ist es, den Patienten aus seiner momentanen manischen, hypomanischen, depressiven oder gemischten Krankheitsepisode "herauszuholen", den akuten Leidensdruck zu reduzieren und die Krankheitseinsicht des Patienten wiederherzustellen. In dieser Phase der Behandlung kommen abhängig von der Schwere und den Symptomen der Krankheitsepisode verschiedene Medikamente (Simmungsstabilisierer und Interventionsmedikamente), Wach- und Elektrokrampftherapie zum Einsatz.

Erhaltungstherapie

Ist eine deutliche Besserung der Krankheitssymptome eingetreten, schließt sich die Erhaltungstherapie an. Ihr Ziel ist, die noch etwas "wacklige" Situation des Patienten weiter zu stabilisieren und einen direkten Rückfall zu verhindern. In dieser Phase wird versucht, die optimale medikamentöse Therapie für den Patienten zu finden. Gleichzeitig kann bereits mit einer unterstützenden Psychotherapie begonnen werden.

Rückfallvorbeugung (Prophylaxe)

Hat sich die Stimmungslage des Patienten wieder "normalisiert", gilt es, langfristig weitere Krankheitsepisoden zu verhindern und den Patienten so vollständig wie möglich sozial und beruflich wieder einzugliedern. Die medikamentöse Therapie wird auf das zur Erhaltung der ausgeglichenen Stimmung notwendige Maß reduziert. Gleichzeitig soll der Patient durch verschiedene psychotherapeutische Maßnahmen lernen, mit seiner Krankheit umzugehen und eine beginnende Krankheitsepisode zu erkennen.

Wie lange dauert die Behandlung einer Bipolaren Störung?

Sowohl Patienten und Angehörige müssen sich darüber im Klaren sein, dass eine Bipolare Störung im Regelfall das ganze Leben lang behandelt werden muss. Die Intensität der Behandlung kann dabei zwar unterschiedlich sein, aber ohne Behandlung wird eine dauerhafte Stabilisierung der Stimmung nicht möglich sein. Viele Patienten und Angehörige werden sich jetzt fragen, warum das so ist. Patienten mit Bipolaren Störungen leiden an einer anlagebedingten (genetischen) Anfälligkeit für diese Erkrankung und es gibt zurzeit noch keine Möglichkeit, diese genetische Anfälligkeit zu korrigieren. Die modernen Therapiemethoden können "nur" zu einer dauerhaften Unterdrückung dieser Anlage beitragen.

Welche Behandlungsmethoden werden bei Bipolaren Störungen eingesetzt?

In der Behandlung Bipolarer Störungen werden verschiedene Behandlungsmethoden eingesetzt. Neben der medikamentösen Therapie, die die meisten Patienten den Rest ihres Lebens begleitet, kommen auch Verfahren der Psychotherapie sowie Wach- und Elektrokrampftherapie zum Einsatz. Welche Therapiemethoden eingesetzt werden, hängt sowohl von der Schwere der Erkrankung als auch vom Verlauf ab.

 

Suizidalität

Informationen zur Suizidalität für Menschen mit einer Bipolaren Störung und deren Angehörige

In Deutschland nehmen sich pro Jahr ca. 12.000 Menschen das Leben, wobei die tatsächliche Zahl der Suizide (Dunkelziffer) sicher erheblich höher liegt. Die Zahl der Selbsttötungen übersteigt demnach die der jährlichen Verkehrstoten deutlich. In der Altersgruppe der 15- bis 35-jährigen steht der Suizid nach Unfällen sogar an zweiter Stelle aller Todesursachen. Die Behandlung suizidaler Patienten gehört zu den schwierigsten Herausforderungen für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Aufgrund der enormen gesundheitspolitischen Bedeutung ist die Therapie suizidalen Verhaltens in den letzten Jahren mehr und mehr in den Mittelpunkt psychiatrischer Forschung gerückt und nimmt einen größeren Stellenwert in der Erarbeitung von Behandlungs- und Präventionsstrategien ein. Die Erforschung dieses Effektes ist insofern von Bedeutung, als dass der Suizid global unter den 20 häufigsten Todesursachen innerhalb aller Altersgruppen zu finden ist. Weltweit nehmen sich ungefähr 1 Million Menschen jährlich das Leben (WHO 2011). Etwa 90 % der Menschen, die einen Suizid verüben, leiden zum Zeitpunkt des Todes an einer psychiatrischen Erkrankung, hier insbesondere an affektiven Störungen. Etwa 10- bis 20-mal häufiger als Suizide werden Suizidversuche unternommen.

Suizidaliät - wer ist gefährdet?

Suizidalität kommt nicht nur bei depressiven Menschen vor, sondern auch bei anderen psychischen Erkrankungen und Lebensumständen, die zu großem seelischen Leid und Selbsttötungsabsichten führen können. Depressive Symptome und ein bestimmter Schweregrad depressiver Episoden stellen einen großen Risikofaktor für Suizidalität dar. Bei bipolaren Patienten sind es auch oft die sogenannten 'Mischzustände', die mit einem gleichzeitigen oder schnell abwechselnden Auftreten depressiver und manischer Symptomatik einhergehen, die ein hohes Suizidrisiko haben. Manische Episoden gehen nicht mit Suizidalität einher. Es gibt Hinweise darauf, dass bei bipolar Betroffenen das Risiko für einen Suizid im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht ist. Jeder vierte Betroffene versucht im Verlauf der Erkrankung mindestens einmal, sich das Leben zu nehmen. Es ist jedoch bekannt, dass die richtige Behandlung hier helfen kann. So hat z.B. das Medikament Lithium eine nachgewiesene antisuizidale Wirkung.

Wenn auch biologische Faktoren als eine der Hauptursachen für Suizidalität in Frage kommen, so gibt es doch eine Reihe von
 
Risikofaktoren, die jeder Betroffene und Angehörige kennen sollte. Neben der Diagnose einer Bipolaren Störung sind das: ein Suizidversuch in der Vorgeschichte, schwere depressive Episoden im Krankheitsverlauf, eine familiäre Belastung mit Suizidalität, jüngeres Lebensalter und funktionale Einschränkungen durch die Bipolare Störung (z.B. Arbeitsplatzverlust, Ehescheidung, etc.) und Einsamkeit bzw. soziale Isolation. Auch eine Persönlichkeitsstruktur, die impulsive Merkmale hat, kann einen erhöhten Risikofaktor für Suizidalität darstellen. Suizidversuche werden häufer von Frauen als von Männern unternommen, häufiger auch von allein lebenden Menschen und von Menschen in niedrigen sozialen Schichten.

Suizidalität - wie kann man sie erkennen? Reden/Nachdenken über den Tod

Es ist ein Mythos, dass Menschen, die sich das Leben nehmen wollen, nicht darüber reden. Tatsächlich sprechen die meisten suizidalen Menschen darüber, dass sie lebensüberdrüssig sind, sich "nach Ruhe" sehnen oder ihr Leben "sinnlos" geworden sei.

Lebensumstände

Schwere Lebenssituationen, die entweder durch die bipolare Erkrankung begünstigt werden oder unabhängig von ihr auftreten, sind immer auch Warnzeichen für Suizidalität. Trennungssituationen, der Verlust des Arbeitsplatzes, finanzielle Probleme aber auch Kränkungen, Verlust des Selbstwertgefühls und Abhängigkeit von anderen Menschen durch die Erkrankung können zu Lebensüberdruss und damit zu Suizidalität führen.

Verhaltensänderungen

Häufig ziehen sich suizidale Menschen von anderen zurück, kommunizieren weniger und wirken "abwesend". Andererseits beobachtet man oftmals, dass Menschen, die beschlossen haben, sich das Leben zu nehmen, plötzlich wie "erleichtert" wirken und wieder aufgeschlossener und kommunikativer sind als zuvor. Auch das Verschenken von Eigentum, das "Ordnen der eigenen Angelegenheiten" und andere ungewöhnliche Verhaltensweisen sollten Anlass geben, ein Gespräch zu suchen, in dem Suizidalität thematisiert wird.

Selbstwert, Schuldgefühle

Dieser Aspekt der Suizidalität ist ganz wichtig, denn er wird oft unterschätzt. Gerade depressive Menschen leiden an einem fundamentalen Verlust ihres Selbstwertes und überwältigenden Schuldgefühlen. Sie fühlen sich für alles verantwortlich und schämen sich für ihre Person, ihre Erkrankung und die "Last", die sie anderen Menschen "aufbürden". Daraus entsteht oft der Gedanke, "allen ginge es ohne mich besser". Die Schuld- und Schamgefühle können so schwer ausgeprägt sein, dass sie rationalen Argumenten nicht mehr zugänglich sind und der/die Betroffene nur noch im Suizid einen Ausweg sieht.

Hoffnungslosigkeit

Hoffnungslosigkeit ist zum einen ein Symptom schwerer depressiver Episoden, kann aber zu anderen auch Ausdruck einer Lebensauffassung sein, die aus schweren Krisensituationen oder anderen belastenden Lebensumständen resultiert. Die Betroffenen sind davon überzeugt, "nie mehr Licht am Ende des Tunnels" zu sehen und "nichts mehr zu haben, wofür es sich zu leben lohnt". Solche Äußerungen können ein Hinweis auf Suizidalität sein und sollten immer ernst genommen werden.

Was kann man tun?

Als Angehöriger fühlt man sich zunächst hilflos und überfordert. Soll man den Betroffenen direkt auf mögliche Suizidalität ansprechen, oder bringt man damit erst recht jemanden auf die Idee, sich das Leben zu nehmen? Wie konkret soll man nachhaken? Soll man beruhigen, trösten, soll man bagatellisieren? Es gibt einige Verhaltensregeln, an denen man sich orientieren kann. Zunächst einmal gehört jeder suizidale Patient in die Hände eines Facharztes! Das ist allerdings schon der zweite Schritt. Zuvor sind es oft die Angehörigen, die erkennen müssen, ob jemand suizidal ist oder nicht.

  • Befreien Sie sich von dem Mythos, dass Sie durch entsprechende Fragen einen anderen Menschen überhaupt erst auf die Idee eines Suizids bringen könnten! Vielleicht haben Sie selbst Hemmungen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Indem Sie mögliche Suizidgedanken offen und taktvoll ansprechen, erleichtern Sie den Betroffenen.
  • Falsch sind folgende Annahmen:
  • Wer über Suizid spricht, tötet sich nicht.
  • Suizide geschehen ohne Vorwarnung.
  • Wer von sich aus über Suizid spricht, will nur Aufmerksamkeit erheischen oder Mitmenschen manipulieren.
  • Einer Suizidandrohung nimmt man den Wind aus den Segeln, indem man den Kranken mutig konfrontiert („Dann mach es doch“).
  • Melden Sie einem suizidalen Menschen zurück, was Sie von seinen Mitteilungen verstanden haben. Beschreiben Sie es mit eigenen Worten. Benennen Sie besonders Gefühle, die oft nur mit Scheu zur Sprache kommen. Greifen Sie auch Unangenehmes auf, wie z.B. einen genauen Suizidplan. Unterbrechen Sie den Betroffenen, wenn er zu Selbstbeschuldigungen oder Verallgemeinerungen neigt. Hören Sie zu, verzichten Sie auf Parteinahme, wenn der Betroffene Wut oder Ärger ausdrückt.
  • Dem Entschluss, sich selbst das Leben zu nehmen, sind meist erfolglose Bemühungen vorangegangen. Erkennen Sie diese Versuche wertschätzend an und halten Sie dem Betroffenen nicht vor Augen, was er dabei falsch gemacht hat. Aus dem gleichen Grunde ist es nicht ratsam, einem suizidalen Menschen Schuldgefühle ausreden zu wollen. Auch ein eventuell vorangegangener Suizidversuch sollte nicht kritisiert werden.
  • Scheuen Sie sich nicht, konkret und ausführlich eventuelle Suizidpläne zu besprechen. (Wie soll der Suizid ablaufen? Welche Vorbereitungen wurden bereits getroffen? Was hielt bislang von der Ausführung des Planes ab? Wie verliefen eventuelle frühere Suizidversuche?) Sehr wichtig ist es, danach zu fragen, wie sich ein Suizid auf Angehörige, Freunde und Kinder auswirken wird. Oft hat sich der Betroffene solche Gedanken noch nicht gemacht. Sie können ihm damit helfen, eine andere Perspektive zu eröffnen bzw. sich von Suizidabsichten zu distanzieren.
  • Bieten Sie eine verlässliche Beziehung an. Bitten Sie umgekehrt darum, dass Ihnen die suizidale Person zusagt, sich bis zum nächsten Kontakt mit Ihnen oder einem fachlichen Helfer nichts anzutun. Verknüpfen Sie Ihre Bereitschaft zum Engagement mit einer deutlich von Ihnen ausgedrückten Erwartung: Der Betroffene sollte die Konsequenzen kennen, die es für Sie hat, wenn er sich nach diesem Gespräch das Leben nimmt. Treffen Sie aber nur solche Vereinbarungen, die einhaltbar und überschaubar sind. Verschaffen Sie dem Betroffenen sofortige Entlastung (in Form von Essen, Trinken, Schlafen). Stellen Sie für ihn Kontakte zu fachlichen Helfern her.
  • Kann man Suizidalität behandeln?

Die sinnvolle Erforschung der Gründe für die Suizidalität und deren Therapie kann nur durch eine(n) Facharzt/-ärztin erfolgen! Die Therapie eines suizidalen Menschen hängt vom Auslöser der Selbsttötungsabsichten ab. Oftmals muss der Betroffene (auch gegen seinen Willen) auf einer geschlossenen Station behandelt werden, um ihn zu schützen. Das ist für alle Beteiligten ein zusätzlicher belastender Faktor. Bei bipolaren Menschen sind es oft Depressionen und manisch-depressive Mischzustände, aber auch die bereits genannten Lebenskrisen, die zu Suizidalität führen können. Die akute Krise wird meist mit Benzodiazepinen behandelt. Sie können Spannung nehmen, Ängste abbauen und quälende Gedanken lösen. Antidepressiva oder stimmungsstabilisierende Substanzen (Lithium, Carbamazepin, Valproinsäure, Lamotrigin) kommen als Therapie einer zugrunde liegenden Depression zum Einsatz. Manisch-depressive Mischzustände sind klinisch meist so schwere Krankheitsbilder, dass die Kombination verschiedener Medikamente notwendig ist. Bei vordergründig aus der Lebenssituation entstandenen Suizidabsichten wird man auch psycho- bzw. soziotherapeutische Maßnahmen ergreifen. Eine 100%-ige 'Prophylaxe' zum Schutz vor zukünftiger Suizidalität gibt es nicht. Patienten mit Bipolaren Störungen erhalten ja im Idealfall eine stimmungsstabilisierende Substanz, die neben den manischen auch die depressiven Episoden verhindern soll. Dadurch wird das Suizidrisiko indirekt eingeschränkt. Eine direkte Senkung der Suizidalität ist bisher nur für Lithium nachgewiesen. Aber auch das muss noch genauer untersucht werden. Die Entscheidung darüber, ob ein Patient zur Suizidprophylaxe auf Lithium eingestellt werden sollte, trifft allein der Arzt.

 

 

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