Die Neue Basis e.V

Landesverband Niedersachsen

Eingetragener Verein zur Selbsthilfe , Aufklärung und Beratung von suchtgefährdeten Menschen und Mitbetroffenen

Bild2

 

Medikamente

 

Abhängigkeit auf Rezept

 

Medikamente spielen in unserem Gesundheitssystem eine wichtige Rolle. In zunehmendem Maße werden sie jedoch – statt zur Therapie akuter Erkrankungen – dazu verwendet, „Dauerstress“ abzubauen oder psychische Defizite zu bewältigen. 1,4 Millionen Süchtige zeigen die Dimension des Problems.

 

Das Ausmaß

 

In deutschen Apotheken wurden 1992 34 Milliarden DM umgesetzt. Immerhin

6 Milliarden davon entfielen auf die sogenannten Selbstmedikation, also auf Präparate, die ohne Rezept in der Apotheke gekauft wurden.

Insgesamt werden im Jahr etwa 1,3 Milliarden Arzneimittelpackungen verbraucht, das sind pro Tag und Person drei Einzeldosierungen. Die Spannbreite ist groß: vom einfachen Schnupfenmittel über Schmerzmittel bis zu hochdosierten Psychopharmaka. Gemeinsam ist vielen Mitteln besonders eine Nebenwirkung: Ihre Einnahme kann süchtig machen.

Das Ausmaß der Gefährdung zeigen 1,4 Millionen Medikamentensüchtige und etwa ebenso viele Suchtgefährdete. Betroffen sind häufiger ältere Menschen

Als junge, häufiger Frauen als Männer, danach gilt:

Arzneimittelsucht ist kein Randphänomen. Ähnlich wie Alkohol werden Medikamente quer durch die Bevölkerungsschichten konsumiert.

 

Die Ursache

 

Viele Medikamente haben ein erhebliches Suchtpotential. Unproblematisch ist ihre Einnahme über einen kurzen Zeitraum zur Therapie akuter Erkrankungen.

Das Risiko steigt jedoch mit zunehmender Behandlungsdauer; der Dauerkonsum bestimmter Mittel führt fast zwangsläufig zur Abhängigkeit.

Besonders problematisch sind solche Präparate, die zur Bewältigung alltäglicher Belastungssituationen genommen werden. Sie sollen Beschwerden unterdrücken und die Arbeitsfähigkeit erhalten. So wird etwa körperlicher Stress – z. B. ausgelöst durch unregelmäßige Arbeits- und Ruhezeiten mit dem gezielten Einsatz von Schlaf und Beruhigungsmitteln auszugleichen versucht.

Oft wird im Wechsel dazu die Einnahme von Aufputschmitteln nötig um wieder

„fit“ zu werden. Schmerzmittel werden häufig dauerhaft eingesetzt, um besondere Anforderungen erfüllen zu können oder um ungünstige Arbeitsbedingungen zu kompensieren.

Noch häufiger verursachen psychische Faktoren die Medikamenteneinnahme.

An erster Stelle steht hier der Stress durch Überforderung und Zeitdruck. Genauso können aber auch Langeweile und monotone Arbeitsabläufe zu Frustration führen, die dann durch entsprechende Mittel bekämpft wird. Auch

Ein belastendes Betriebsklima ist – genauso wie Angst vor Entlassung – für viele ein Grund zur Problemlösung auf Rezept.

Die Sucht

 

Hat sich ein Patient erst einmal daran gewöhnt, Leistungsfähigkeit und psychische Verfassung durch Medikamente zu kontrollieren, wird seine Fähigkeit, damit wieder aufzuhören, mit jeder eingenommenen Dosis geringer.

Belastungssituationen können schließlich nur noch mit chemischer Hilfe bewältigt werden. Damit vollzieht der Konsument den schleichenden Übergang

zur Sucht, oftmals ohne sich dessen bewusst zu sein. Der damit verbundene Dauerkonsum führt automatisch auch zum ständigen Medikamentenmissbrauch

am Arbeitsplatz. Der Süchtige befindet sich in einem mehr oder weniger ausgeprägten „Dauerrausch“.

Der Auslöser für eine Medikamentensucht kann auch im privaten Bereich liegen. Hier dienen die verschiedenen Pillen der Aufhellung einer tristen Grundstimmung oder negativer Gefühle, Ängste und Spannungen  werden regelrecht abgeschaltet, soziale Probleme oder Auswirkungen berufliche Schwierigkeiten werden erfolgreich verdrängt.

Dies ist auch deswegen möglich, weil sich eine Medikamentensucht lange Zeit verbergen lässt. Meist sind die Symptome für Außenstehende schwer zu erkennen, die Einnahme bleibt unauffällig, die Versorgung mit Nachschub gestaltet sich unproblematisch. Ausreden und subjektive Erklärungsmuster

Werden erleichtert, weil der Konsum vorerst nicht mit sozialer Ausgrenzung oder ursprünglich genommen wurde.

Damit verliert der Süchtige vollends die Kontrolle über seinen Konsum. Sein Verhalten beginnt zunehmend dem vom Abhängigen anderer Rauschmittel

Zu ähneln. Isolation Verheimlichungstendenzen und das Anlegen von Depots sind typisch auch für Medikamentensüchtige.

 

Medikamentenkonsum bei Kindern u. Jugendlichen

 

Über den Konsum psychoaktiver Medikamente versuchen Jugendliche, ihre Schwierigkeiten vor allem mit den schulischen Leistungsanforderungen in den Griff zu bekommen. Sie setzen dabei einerseits auf die entspannende Wirkung etwa von Beruhigungs- oder Schmerzmittel oder hoffen auf Leistungssteigerung durch Anregungs- oder Aufputschmittel. Die gestiegenen

Anforderungen im Ausbildungswesen lassen vor allem angesichts ungünstiger

Zukunftstausichten den Medikamentenkonsum in die Höhe schnellen. Sicherlich tragen auch das Vorbild der Erwachsenen und die meist leichte Verfügbarkeit von Medikamenten zum weitgehend bedenkenlosen Griff in den heimischen Medizinschrank bei.

Mit zunehmender Gewöhnung werden Medikamente immer häufiger zur mehr oder weniger gezielten Steuerung der eigenen Befindlichkeit genutzt und damit zur Droge. Am Ende steht die Abhängigkeit mit allen ihren körperlichen und seelischen Auswirkungen, die bei jugendlichen besonders negative Folgen haben.

 

Medikamentenkonsum Jugendlicher in verschiedene Altersgruppen

 

      12 Jahre  17 Jahre

 

Kopfschmerzmittel   40%   53%

Erkältungs-/ Grippem.      50%

Beruhigungs-/ Schlafm.    8%   12%            

Anregungs-/    Aufputschm.   6%   11 %

 

Die Folgen

 

Die Einnahme einer Vielzahl von Medikamenten ist mit Risiken verbunden. Im Bereich der Arbeits- und Verkehrssicherheit ist insbesondere ihre Wirkung auf das zentrale Nervensystem von Bedeutung. Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsvermögen und Wahrnehmungsfähigkeit können entschieden herabgesetzt werden. Bei jedem fünften Verkehrsunfall sind nach Schätzungen Medikamente im Spiel.

Eine Medikamentensucht macht solche Risiken zum Dauerzustand. Der Süchtige ist auf ständigen Nachschub angewiesen, entsprechend werden die Phasen ohne Ausfallerscheinungen immer seltener.

Gleichzeitig kommt es zu körperlichen Schäden. Eine Vielzahl von Nebenwirkungen, die vom konsumierten Präparat abhängig sind, können auftreten. Typisch sind z. B.  Schäden an Leber und Nieren durch die permanente Vergiftung. Aber auch Kreislaufschäden, nachlassende Leistungsfähigkeit bis hin zum Herzversagen sind möglich. Im psychischen Bereich kann es zu Depressionen, Verfolgungswahn und Veränderungen der Persönlichkeit kommen.

Die fortschreitende Sucht beeinträchtigt zunehmend auch die sozialen Kontakte. Isolation, Abkehr vom Bekannten- und Freundeskreis, Zerstörung der familiären Bindungen, abnehmende sexuelle Interessen und Zerrüttung der Partnerschaft sind typische Merkmale einer Suchtkarriere.

Die Auswirkungen im beruflichen Bereich sind schleichend. Mehr oder weniger massive Beschwerden wie Schmerzen oder psychische Probleme können durch Medikamentenkonsum so weit kontrolliert werden, dass über längere Zeit ein Zustand relativer Normalität gehalten werden kann. Oft ist sogar eine kurzfristige Leistungssteigerung durch entsprechende Mittel möglich. Auf Dauer lassen sich die Auswirkungen der Sucht jedoch nicht mehr verbergen.

Das Leistungsvermögen sinkt, aus der ständig getrübten Wahrnehmungsfähigkeit entsteht ein hohes Unfallrisiko. Die Fähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten, geht verloren. Die anfänglich unauffällige Sucht geht in ein Stadium der Unzuverlässigkeit über; häufiges Fernbleiben vom Arbeitsplatz und Leistungsabfall münden nicht selten in Kündigung und sozialen Abstieg. Damit werden auch die Nachschubschwierigkeiten größer, ständige Unruhe bis hin zur Panik treten auf. Am Ende steht die völlige Zerrüttung der sozialen Situation, die schließlich auch zu Beschaffungskriminalität führen kann. Für den Betrieb sind im Fall einer Medikamentensucht eines Mitarbeiters die gleichen Verhaltensrichtlinien gültig wie bei einer Alkoholsucht. Im Interesse von Arbeitssicherheit und zur Vermeidung von Betriebsstörungen ist es notwendig, umgehend Maßnahmen zu Entgiftung und Therapie eines Süchtigen einzuleiten.

Der Süchtige selbst muss damit rechnen, seinen Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung einzubüßen, wenn er an einem Unfall beteiligt ist, bei dem der Medikamentenrausch die rechtliche allein wesentliche Ursache war. Daneben muss er befürchten, für entstandene Schäden regresspflichtig gemacht zu werden.

Nebenwirkung: Abhängigkeit

 

Die Suchterzeugenden Mittel

 

Beruhigungsmittel

 

Beruhigungsmittel (Sedativa, Tranquilizer)  dienen der Bekämpfung von Unruhe und Angst. Es gibt eine Vielzahl verschiedener Produkte, deren Wirkung von Entspannung über Euphorie bis hin zu Schläfrigkeit reicht. Ein großer Teil von ihnen kann süchtig machen. Schon nach 10 bis 20 Tagen täglicher Einnahme können beim Absetzen Entzugserscheinungen auftreten. Besondere Vorsicht ist Mitteln gegenüber angebracht, die ohne ärztliche Kontrolle eingenommen werden dürfen.

Wegen der dämpfenden Wirkung sind bei allen Beruhigungsmitteln körperliche Ausfallerscheinungen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Verlängerung der Reaktionszeit zu erwarten. Häufig äußert sich die als angenehm empfundene Wirkung in Müdigkeit in Verbindung mit leichter Euphorie.

„Spitzenreiter“ unter den beruhigenden Arzneimitteln sind die Benzodiazepine

(z. B. Valium, Librium), die allesamt abhängig machen.

 

Schlafmittel

 

Schlafstörungen können viele Gründe haben: Stress, Lärm, psychische und soziale Probleme. Je öfter man nachts wach liegt, desto mehr steigt auch die Bereitschaft, mit Tabletten dem wohlverdienten Schlaf nachzuhelfen.

Geeignete Mittel (Hypnotika) zielen – genau wie Beruhigungsmittel – auf eine Dämpfung des Zentralen Nervensystems ab. Der dadurch erreichte entspannte Zustand ist jedoch intensiver und ähnelt einer leichten Bewusstlosigkeit, die in tiefen Schlaf übergeht. Auch hier besteht in vielen Fällen Suchtgefahr. In noch stärkeren Maße als Beruhigungsmittel haben viele Schlafmittel eine euphorische Wirkung, die in erster Linie für das Suchtpotential verantwortlich ist.

 

Schmerzmittel

 

Die Bekämpfung von Schmerzen ist ein zentrales Anliegen der Medizin . Vom kurzfristigen auftretenden Kopfschmerzen bis hin zu Dauerschmerzen – gegen die unterschiedlichsten Schmerzsymptome ist eine Vielzahl von Präparaten auf dem Markt.

Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwei Gruppen von Schmerzmitteln (Analgetika):

 

Morphine und morphinartige Medikamente

 

Nichtmorphinartige Medikamente (leichte Schmerzmittel)

Eine Suchtgefahr besteht hauptsächlich bei Morphinen und morphinartigen Mitteln. Es handelt sich hier um hochwirksame Analgetika, die nur unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden dürfen. Sie sollen sehr heftige Schmerzen bekämpfen, haben aber entsprechend Nebenwirkungen. Die Dauereinnahme solcher Mittel führt fast zwangsläufig in die Sucht mit all ihren negativen Begleiterscheinungen und Entzugssymptomen:

 Unruhe, Reizbarkeit, Blutdruckabfall bis hin zum Kreislaufversagen, starke Einschränkung der motorische Fähigkeiten.

Die auf synthetischem Wege hergestellten morphinartigen Substanzen zeigen im wesentlichen die gleichen Nebenwirkungen, die psychomotorische Leistungsfähigkeit des Patienten wird stark beeinträchtigt. Manchmal treten noch zusätzlich hypnotische, euphorisierende und atemdepressive Symptome auf.

 

Problematische Arzneimittel, ihre Wirkstoffe mit

Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential

 

Arzneimittelgruppe  Wirkstoffgruppe   mögliche Risiken und

     Wirkstoff    Nebenwirkungen    

Schmerzmittel (Analgetika)

Kombinierte leichte und starke  Coffein  Missbrauch und Suchtgefahr

Schmerzmittel (Rezept- und  Codein

nicht Rezeptpflichtig)

Migränemittel    Codein  Missbrauch und Suchtgefahr

Starke Schmerzmittel  Opiate, z. B. Morphium Missbrauch und Suchtgefahr

Psychopharmaka       Benommenheit,

     Benzodiazepine  Konzentrationsschwäche,

(Tranquilizer)       Missbrauch und Suchtgefahr

Schlafmittel /   Barbiturate   Benommenheit

Beruhigungsmittel   Bentzodiazepine  Konzentrationsschwäche 

(Sedativa,Hypnotika)      Missbrauch und Suchtgefahr

         Verwirrung, Halluzinationen,

Aufputschmittel   Amphetamine  Kopfschmerzen, Schwindel,          Herzklopfen, Erregung,

(Psychostimulantien)      Bluthochdruck,

         Missbrauch und Suchtgefahr

          Verwirrung, Halluzinationen,

Appetitzügler   amphetamin und  Kopfschmerzen, Schwindel,

     ephedrin- ähnliche  Herzklopfen, Erregung,

     Wirkstoffe   Bluthochdruck,

         Missbrauch und Suchtgefahr

 Hustenmittel       Müdigkeit, Verstopfung,

      Codein  Erregung,

(Antitusiva)        Missbrauch und Suchtgefahr

          Wechselwirkstoffe mit anderen

Alkoholische Arznei-  Alkohol, Melissengeist Arzneiwirkstoffen (z. B. Verstärkung

mittelzubereitungen  Stärkemittel, Grippesäfte der dämpfenden Wirkung von

(z. B. Elixire)       Beruhigungsmitteln

         Missbrauch und Suchtgefahr

     Pflanzliche    Darmträgheit,

Abführmittel   Anthrachinone  Mineralstoffverlust

     und ähnliches  Missbrauchsgefahr

     unterschiedliche, die Mineralstoff und

Entwässerungsmittel  auch zur Behandlung Flüssigkeitsverlust,

     des hohen Blutdrucks Missbrauchsgefahr

     eingesetzt werden.

Schleimhaut-  

Abschwellende   Gefäßverengende  Gewebeschädigung

Nasentropfen und Spray  Mittel    durch Missbrauch

     

[Wissenswertes]
by Wohnmobile-Wohnwagen.net